Verfasst von: Elly | Mai 10, 2009

Romantik und Realität

Ich muss mich outen: als Zuschauer von Deutschland sucht den Superstar nämlich.  Normalerweise habe ich ja immer behauptet, ich hätte nur „rein zufällig bei durchzappen“ gesehen, dass X einfach schlecht gesungen und Y sich mal wieder absolut daneben benommen hat. Nun geht das nicht mehr, denn das Finale zwischen Daniel und Sarah fand ich absolut genial.

Nach wie vor bin ich konsequenter Nicht-Anrufer und Nicht-SMS-Schicker, wenn es um die Abstimmung geht. Mir ist das Geld zu schade, selbst wenn ich einen Favoriten habe. Und zu meiner Verteidigung muss ich auch sagen, dass ich das bis zum heutigen Tag kon-se-quent durchgezogen habe. Dieses Mal hätte ich im Finale aber auch absolut nicht gewusst, für wen ich hätte anrufen sollen – beide,  sowohl Daniel und Sarah waren einfach gut.

Egal. Jedenfalls habe ich schon ein bisschen geschieft, als Daniel und Sarah beim gemeinsamen Auftritt der DSDS-Top-10  händchenhaltend auf die Bühne getreten sind. Dann das Duett von Bohlens Lied „Anything but Love“ – so romantisch! Daniel und Sarah hatten das Lied zuvor jeweils allein als einen der drei Songs performt – beide erwartungsgemäß großartig, doch das Duett war einfach unschlagbar. Eigentlich schade, dass es die Single nur vom Sieger der Staffel geben wird – zumindest laut Plan. Wobei auch Herr Bohlen wohl ganz beeidruckt von dem gemeinsamen Auftritt der beiden war – und die Idee, die ja auch von Markus Schreyl schon verbalisiert wurde,vielleicht ja in Erwägung zieht.

Ansonsten ist Schreyl ja eher dafür bekannt, die Bekanntgabe der Entscheidung am Ende einer DSDS-Sendung ewig in die Länge zu ziehen. SO auch heute im Finale: Nach einer Rede über die von Hoffnungslosigkeit gerpägte Vergangenheit der Finalisten und deren beeidruckende Weiterentwicklung durch die Teilnahme an DSDS kam er endlich zur Sache: Daniel hat mit 50.4 % der Anrufer gewonnen und ist jetzt Superstar 2009. So knapp war das Ergebnis nie zuvor – überraschend aber trotzdem keinerwegs.

Das Highlight war wohl Daniels Siegerauftritt, noch einmal mit „Anything but Love“. Nach der ersten Strophe holte er Sarah zu sich auf die Bühne, um den Song mit ihr gemeinsam zu singen. Bohlen nahm begeistert die Ohrstöpsel aus den Ohren, die Jury gab dem Autritt Standing Ovation.

Hach ja… glücklicherweise kann man sich die Videoclips auf der RTL-Homepage ja noch einmal ansehen… und noch einmal ein bisschen Romantik genießen. Ach, so ein Märchenprinz, der das eigene Glück mit einer Frau teilen möchte, der Gefühle hat und zu ihnen steht… so einen hätte ich doch zu gern.

Stattdessen begegne ich immer wieder nur dem Standardmodell: Fußball, Computer und Auto sind Heiligtümer, Gefühle und Romantik sind Fremdwörter, Blumen, Kerzen  und Pralinen sind Geldverschwendung.

Aber glücklicherweise gibt es ja so Dinge wie DSDS. Und romantische Filme, Telefonate mit Freundinnen, tolle CDs mit viel Gefühl, Shoppingtouren, bei denen Dekoartikel, Assessoires und Klamotten gekauft werden, was das Zeug hält…

Verfasst von: Elly | März 20, 2009

Die Geschichte von Emma und dem Regenbogen

An dieser Geschichte habe ich eine Ewigkeit gesessen, und irgendwie ist sie nun auch ganz anders geworden, als ich es ursprünglich geplant hatte. Es scheint fast, als würde ich gar nicht mehr in der Lage sein, diese Ende-Gut-Alles-Gut-Geschichten zu schreiben…? Vielleicht schreibe ich für die sensiblen Gemüter ja auch noch einmal so eine Art „alternatives Ende“, so wie es einige Buchautoren, glaube ich, auch schon gemacht haben;-) Seltsam auch, dass ich nach dem Beenden der Geschichte eine so große Leere spüre – jetzt, da mein Werk fertig ist, oder: jetzt, wo „mein Kind“ sich aufgemacht hat in die große, weite Welt. Anyway, here goes…


Die Geschichte von Emma und dem Regenbogen

1

Es war ein sonniger Frühlingsmorgen, als Emma zum ersten Mal mit der Schafherde nach draußen auf die Weide durfte. Sie war ein ganz junges Schaf, gerade ein paar Monate alt. Die Sonnenstrahlen blendeten sie und wärmten ihr flauschiges Fell. Zwischen all den großen Schafen konnte sie das weite Feld noch nicht sehen, wusste nicht, was sie erwarten würde. Doch was auch immer es war, Emma war sich sicher, dass sie es mögen würde. Vorsichtig versuchte sie, ihren Kopf in die Höhe zu strecken, aber sie konnte noch immer nicht mehr erkennen als die Hinterteile der anderen Schafe. Ein kräftiger Ruck und lautes Schafsgebrüll von allen Seiten erschraken sie, Emma stolperte und fiel zu Boden. Mit ausgestreckten Pfoten lag sie nun im Gras, das von dem Regen in der Nacht noch nass war. Vor sich sah sie die vielen Schafe, die sie gerade umgerannt hatten und nun in alle Richtungen strömten.

Emma richtete sich auf und konnte zum ersten Mal die Weide sehen, die vielen gelben Butterblumen im Gras, den Fluss und den Wald, die das Feld ganz in der Ferne begrenzten. Eine leichte, angenehme Brise des Aprilwindes streifte ihren Rücken. Ganz tief atmete sie durch, sodass sie den Regen aus der letzten Nacht und die Wärme der Sonnenstrahlen fast schmecken konnte. Den Regen konnte sie nicht sehen, denn er war ja nicht mehr da, aber auch die Sonne schien sich hinter ihren hellen Strahlen zu verbergen. Wie sehr sich Emma auch anstrengte, sie konnte nicht erkennen, wie die Sonne aussah. Was war das für ein Wesen dort oben am blauen Himmel, das dafür sorgte, dass sie diese angenehme Wärme spürte? Aber eines konnte sie sehen, nämlich den Regenbogen, der von der Sonne direkt über den Wald führte und am Fluss zu enden schien. Wenn Emma nun zum Fluss am Ende der Weide ginge, vielleicht würde sie dann diesen bunten Weg finden, der sie zur Sonne führte?

Sie war sich nicht sicher, und so wollte sie erst einmal die anderen Schafe um Rat fragen. Wo war überhaupt ihre Mutter abgeblieben? Emma sah sich um, doch in der Ferne konnte sie die Mutter zwischen all den anderen Schafen kaum ausmachen. Es machte sie plötzlich traurig, dass niemand da war, mit dem sie den Anblick des wunderschönen Regenbogens und die angenehme Wärme der Sonnenstrahlen teilen konnte. Vorsichtig tapste Emma über das Feld, denn sie wollte die hübschen, kleinen Butterblumen, die doch ein wenig wie kleine Sonnen aussahen, nicht kaputt treten. Als sie die Schafherde erreicht hatte, fiel Emma auf, dass die Schafe in zwei Gruppen auf dem Feld verteilt standen, und in einer dieser Gruppen fand sie nun endlich auch die Mutter und auch den Vater.

„Mama, Papa, könnt ihr den Weg dort oben sehen?“, fragte Emma sogleich. „Welchen Weg?“ fragten die Eltern im Akkord, und Emma deutete mit ihren kleine Pfötchen zum Himmel, wo der Regenbogen nur noch ansatzweise zu sehen war. „Wovon redest du?“ fragte die Mutter nun. „Na, dort oben, von diesem bunten Weg, der…“ – „Da ist nichts, Emma.“ Unterbrach die der Vater. Emma fing gerade an, sich zu fragen, ob nur sie selbst diesen bunten Weg sah, als sie von der Mutter aus ihren Gedanken heraus gerissen wurde: „Wie siehst du denn überhaupt aus, Emma? Guck dich mal an, dein Fell ist ganz schmutzig. Du gehst besser mal dort drüben an den Fluss und wäschst dein Fell gründlich ab, sonst ist es zu spät, denn bei Sonnenuntergang wird der Bauer uns zurück in den Stall holen.“ Emma war enttäuscht, ließ ihre Ohren hängen, ging aber artig zum Fluss, den sie noch nie aus der Nähe gesehen hatte. Sie hatte sowieso vorgehabt, zum Fluss zu gehen, denn von dort aus führte ja der bunte Weg zur Sonne. Vielleicht würde sie ihn auch ohne die Hilfe der Eltern finden.

Als sie den Fluss erreichte, war jedoch von dem Regenbogen nichts zu sehen, und auch am Himmel konnte sie ihn nicht mehr erkennen. Der Weg zwischen dem Wald am Ende des der Weide und der Sonne am Himmel war verschwunden. Emma hatte den Fluss erreicht und sah nun direkt auf das Wasser – und erschrak. Mit einem Satz sprang Emma zurück, sodass sie wieder einen sicheren Abstand vom Fluss hatte. Dann näherte sie sich mit vorsichtigen Schritten wieder. Und nun konnte sie sehen, was sie so erschrocken hatte: Im Wasser stand ein anderes Schaf, das etwa so alt wie Emma sein musste, aber es war nicht weiß, so wie alle anderen Schafe, die Emma bisher gesehen hatte, sondern schien eigenartige Flecken auf seinem Fell zu haben. Emma beugte sich vor zum Fluss, um das Schaf näher zu betrachten. Unglücklicherweise tat das Schaf im Fluss genau das gleiche, und so konnte Emma nur noch dessen Kopf erkennen, der den Rest des Körpers verdeckte. „Weißt du, wohin dieser bunte Weg da oben führt?“ fragte Emma das andere Schaf, doch es schien nur die Bewegung ihres Mundes nur zu imitieren und sich keine Mühe zu machen, zu reagieren. Nun reichte es Emma, und sie hopste wütend auf und ab, wobei sie ausrutschte und in den Fluss fiel. Das andere Schaf hatte sich offenbar genauso erschrocken wie Emma selbst und war nun verschwunden. Sie kletterte aus dem Flussbett und schüttelte sich. Für eine Weile lag Emma noch, vollkommen müde von ihren Erlebnissen, auf der Wiese und ließ ihr Fell in der Sonne trocknen und schlief.

2

Abends, als der Bauer alle Schafe wieder zurück in den Stall getrieben hatte, wollte Emma noch einmal den Versuch wagen, die Eltern nach dem Regenbogen zu fragen, nach dem Schaf im Fluss, und sie wollte gern von der Sonne und den Butterblumen erzählen. In dem Gedränge, das herrschte, als die Schafe in den Stall getrieben wurden, hatte Emma die Eltern wieder verloren. Zwischen all den fremden Schafen im Stall konnte sie sie nicht mehr finden. Sie irrte durch die Herde, von allen Seiten drangen die üblichen Schafslaute in ihre Ohren. Dann – endlich! – konnte Emma die Mutter zwischen den Schafen erkennen, rannte los und rief „Mama, Mamaaaah! Hier bin ich!“ So voller Euphorie, die Mutter endlich gefunden zu haben, konnte Emma nicht rechtzeitig bremsen und stieß mit der Mutter zusammen. Diese drehte sich um und – war gar nicht die Mutter, sondern nur ein sehr ähnlich aussehendes Schaf. „Kannst du dich nicht vorsehen, du kleiner Tollpatsch?“ fuhr das Schaf sie an. „Ent…schul…digung“ stotterte Emma, die sich ebenso erschrocken hatte. Beschämt sah sie weg, und dann sah sie endlich die Eltern, ganz weit hinten. Nun rannte sie nicht, sondern tapste vorsichtig durch die Herde, bis sie die Mutter und den Vater erreicht hatte. Voller Erleichterung sank sie neben ihnen im Heu nieder.

„Wo warst du die ganze Zeit, und warum attackierst du andere Schafe? Kannst du dich denn gar nicht benehmen?“ fuhr sie die Mutter an, und Emmas Freude darüber, sie endlich gefunden zu haben, stumpfte ab. „Aber es war doch nicht mit Absicht!“ protestierte Emma, worauf der Vater sich einmischte: „Emma! Sprich nicht in diesem Ton mit deiner Mutter! Und kannst du denn gar nicht hören? Du solltest zum Fluss gehen und dein Fell waschen. Sieh dich mal an, dein Fell hat noch immer all die Flecken!“ – „Das habe ich doch gemacht…“ gab Emma nun ziemlich kleinlaut und kaum hörbar von sich. „Du weißt, das Lügen etwas sehr schlimmes ist. Sieh dir all die anderen kleinen Schafe an. Denen würde es nicht einfallen, so unverschämt zu ihren Eltern zu sein. Und sieh dir an, was für weißes Fell sie alle haben. Leg dich jetzt ins Heu und denke über deine Fehler nach.“ Emma ließ sich ins Heu fallen und vergrub ihren Kopf im Heu. Niemand sollte sehen, dass ihr die Tränen über ihr Gesicht rannen.

Am nächsten Morgen beschloss Emma, von nun an ein braves Schaf zu sein. Sie wollte genau so sein, wie all die anderen Schafskinder mit dem weißen Fell. Gleich morgens, nachdem alle Schafe auf die Weide gegangen waren, ging sie wieder zu Fluss. Mutig und ohne nach dem anderen Schaf Ausschau zu halten sprang sie hinein und versuchte, die braunen und grauen Farbtupfer in ihrem Fell auszuwaschen, doch es gelang ihr nicht. Wann immer sie ihren Kopf nach hinter reckte, um ihr Fell zu überprüfen, waren die hässlichen Flecken noch immer da. Bis zum Abend versteckte sie sich unten am Flussbett, denn sie wollte nicht dabei beobachtet werden, wie sie verzweifelt versuchte, ein Schaf wie jedes andere zu werden.

Als sie bemerkte, dass alle anderen Schafe bereits wieder auf dem Weg in den Stall waren, schlich sie hinterher. Wieder musste sie sich durch eine Menge anderer Schafe drängen, um endlich zu der Ecke des Stalles zu gelangen, wo die Eltern und sie selbst für gewöhnlich waren. Die strafenden Blicke der Eltern – vermutlich, weil Emma noch immer nicht weiß war – ignorierte sie. Ohne ein Wort zu sagen und ohne noch einmal mit den Eltern zum Futtertrog zu gehen, schmiss sich Emma seufzend ins Heu und schlief ein. Sie träumte davon, ganz normal zu sein, zur Schafsherde dazuzugehören. Wenn sie nur ein weißes Fell hätte, so weiß wie das der anderen Schafe – oder nein, ein Fell das noch viel weißer war, ganz rein, so dass es in der Sonne fast leuchten würde – dann würde sie gemocht und auch ein bisschen beneidet werden. Das wünschte sich Emma, so sehr, dass sie fast erschrak, als sie morgens aufwachte, ihr Fell betrachtete und wieder diese grässlichen Flecken darauf sah. So wie sie jetzt aussah, war es kein Wunder, dass sie niemand mochte.

3

Und so beschloss sie, an diesem Morgen nicht mit den anderen Schafen auf die Weide zu gehen. Zur gewohnten Zeit strömten natürlich alle Schafe aus dem Stall in Richtung Weide, und so tat es auch Emma. Doch noch bevor sie selbst die Stalltür erreicht hatte, drängte sie sich zur Seite hin aus der Masse der anderen Schafe heraus und schlich davon. Sie merkte, dass sie sehr erschöpft war, und so ging sie zurück zur elterlichen Ecke des Stalles, wo sie sie erneut ins Heu sank und schlief. Die Eltern, das wusste sie, würden sie auf der Weide nicht vermissen.

Ein lautes Flattern und ein Geräusch, als wäre etwas gegen die Stallwand geklatscht, riss Emma ganz plötzlich aus ihren Träumen. Sie sah nach oben, doch da war nichts. Dann sah sie sich um – und da, direkt neben ihr, saß ein… ja, was war das eigentlich? Vor lauter Schreck machte Emma einen Sprung nach hinten. „Entschuldigung!“, sagte das Etwas, „Das war ein Versehen, wollte dich nicht aufwecken.“ – „Was ist geschehen?“ fragte Emma, und das Etwas antwortete: „Bin gegen die Wand geflogen. Und du, kleines Schaf, machst du heute blau?“ – „Ich bin krank.“ log Emma, denn sie wusste ja nicht, ob dieses Etwas ihre Eltern oder eines der anderen Schafe kannte. „Wer oder was bist du eigentlich?“ fragte Emma, um das Thema zu wechseln. „Ich bin Theodor, die Fledermaus. Lebe schon seit Jahren hier im Stall.“ – „Ich habe dich nie hier gesehen.“ – „Konntest du auch nicht, ich bin ja nur am Tag hier. Nachts bin ich draußen.“ – „Machen das alle Fledermäuse so?“ – „Weiß nicht. Ich mache es so. Und du, wer bist du?“ – „Emma.“

„Also, du bist Emma. Und du bist heute krank.“, fasste Theodor zusammen, „was hast du denn, dass du nicht mit auf die Weide gehen durftest?“ Eine derartige Frage hatte Emma befürchtet, doch trotzdem wusste sie keine passable Antwort darauf. „Ich weiß nicht,“ stotterte sie, „das weiß eigentlich niemand. Es ist einfach so.“ – „Und was, meinst du, würde geschehen müssen, damit du gesund wirst?“ – „Ein Wunder. Mein Fell müsste nämlich weiß werden.“ Nervös zupfte Emma an ihrem Fell herum, und plötzlich war es ihr unangenehm, dass sie Theodor auf ihr Makel aufmerksam gemacht hatte. „Ich sehe nichts Ungewöhnliches an deinem Fell, Emma.“ – „Natürlich nicht, hier im Stall ist es ja auch dunkel. Aber draußen, da…“ fing Emma an zu erklären. „Verstehe.“ meinte Theodor nur. „Da draußen ist es anders.“ Schweigend saßen Emma und Theodor im Heu, und Emma merkte, dass es eigentlich ganz schön war, den Tag nicht allein im Stall verbringen zu müssen. Beruhigt schlief sie schließlich ein.

4

Theodor war verschwunden, als Emma aufwachte, und inzwischen waren all die anderen Schafe wieder von der Weide zurück gekommen. Die Eltern schienen es nicht einmal bemerkt zu haben, dass Emma den ganzen Tag im Stall gewesen war. Sie waren noch nicht einmal zu ihrer Ecke im Stall gekommen, um nach Emma zu suchen, sondern standen weiter entfernt mit den anderen Schafen am Futtertrog. Obwohl es Emma nicht zugeben wollte, machte es sie traurig, dass keiner der beiden sie auch nur ein bisschen vermisst hatte. Andererseits hatte sie nun einen Weg gefunden, wie sie tagsüber nicht gesehen werden musste. Denn niemand würde sie verspotten, wenn sie gar nicht da war. Das beruhigte sie, und so beschloss sie, auch die nächsten Tage noch im Stall zu verbringen. Irgendwann würde sie wieder mit den anderen Schafen auf die Weide gehen. Zumindest sobald sie ein weißes Fell hatte. Denn schließlich wollte sie ja eines Tages noch herausfinden, wo der Regenbogen anfing und wo er hinführte.

Auch am folgenden Morgen klatschte Theodor wieder gegen die Stallwand und weckte Emma aus ihrem Tiefschlaf, noch während ein paar kleine, graue Fellbüschel zu Boden fielen. Dieses Mal wusste Emma sofort, was los war und konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. „Sehr witzig!“ begrüßte Theodor sie. „Immer noch krank?“ – „Ganz genau.“ antwortete Emma, fast ein bisschen froh darüber, dass Theodor wieder da war. „Was tust du die ganze Nacht, da draußen in der Kälte?“ – „Ich beobachte einfach, was geschieht.“ – „Aber nachts geschieht doch gar nichts, weil doch alle schlafen!“ meinte Emma nun. „Oh doch, es geschieht mehr als du glaubst.“ Emma mochte nicht mehr weiter fragen, denn Theodors Antwort machte ihre Angst. Nun saßen sie beide wieder schweigend im Heu, und Emma dachte darüber nach, dass sie eigentlich auch ein bisschen neugierig war, was Theodor an der Dunkelheit in der Nacht so interessant fand.

Auch dieses Mal schlief sie ein und erwachte erst, als Theodor schon wieder ausgeflogen war und die anderen Schafe sich nach ihrer Rückkehr vom Feld um den Futtertrog drängten. Emma sah ihnen zu und fragte sich, ob auch nur eines dieser Schafe, einschließlich ihrer Eltern, sich jemals Gedanken über die Nacht oder den Regenbogen gemacht hatte. Vermutlich nicht, denn mit dem Regenbogen hatte ja alles angefangen. Damals war ihr zum ersten Mal bewusst geworden, dass sie nicht dazugehörte. Und so vergingen die Tage. Emma blieb heimlich im Stall und verbrachte die Stunden mit Theodor, während die anderen Schafe auf der Weide waren. Den Regenbogen hatte sie lange nicht mehr gesehen. Eigentlich wusste sie nicht einmal mehr, ob er je wirklich da gewesen war.

5

Eines Nachts wachte Emma plötzlich auf. Es war noch dunkel draußen, und nur ein Surren, das wie der Traktor des Bauern klang, war zu hören. Vermutlich war es dieses Surren gewesen, das sie aufgeweckt hatte. Das Geräusch verstummte, und nun konnte Emma ein paar Vögel hören, die sich auf den Morgengesang einzustimmen schienen. Eine Weile lauschte sie noch, dann wurde sie neugierig. Vorsichtig streckte Emma sich, und ganz leise tapste sie zur Stalltür, die einen Spalt geöffnet war. Sehr aufgeregt war sie, als sie ihren Körper durch den Spalt der Holztür schob und die frische Luft der Nacht einatmete. Einen solch frischen Geruch hatte sie lange nicht wahrgenommen. Sie sah den Hof, den die Schafherde jeden Tag überquerte, um zur Weide zu gelangen. Nie zuvor hatte sie ihn im Gedränge der anderen Schafe wirklich sehen können. In der Mitte stand ein Kübel, dem sich Emma nun vorsichtig näherte.

Mühsam gelang es ihr, sich mit den Vorderpfoten an seinen Wänden abzustützen, und was sie sah, war mehr als überraschend. In diesem Kübel war nämlich jede Menge weißes Mehl. „So machen es die anderen Schafe also, dass sie immer ganz weiß sind!“ dachte sich Emma wütend. Mit aller Kraft kletterte sie in den Kübel, der daraufhin mit einem lauten Krach umfiel und sie mit dem weißen Mehl überschüttete. Erschrocken ergriff Emma die Flucht und rannte zurück in den Stall, noch bevor sie von jemandem gesehen werden konnte. Die Schafe im Stall schienen nichts mitbekommen zu haben, denn noch immer war nicht mehr als gleichmäßiges Atmen und Schnarchen zu hören. Unauffällig legte sich Emma wieder in die Ecke des Stalls, wo die Eltern schliefen.

Endlich war Emmas Fell ganz weiß! Vor Aufregung konnte sie nun nicht mehr einschlafen, und so lag sie wach, bis die anderen Schafe aufwachten. Später ging sie nun stolz mit den anderen Schafen auf die Weide, doch Emma merkte, dass sie Theodor vermisste und sich nun wünschte, sie wäre auch heute so wie immer im Stall geblieben. Inzwischen war es Herbst geworden, und so waren die Blumen bereits verwelkt, die Sonnenstrahlen verschwunden. Der Regenbogen war nirgends zu sehen, nur die Blätter an den Bäumen schienen in allen Farben zu leuchten. „Schön weiß ist dein Fell geworden, Emma,“ meinte die Mutter später zu ihr, „nur ein bisschen struppig.“ Emma betrachtete nun selbst ihr Fell und sah, dass die Mutter Recht hatte. Das weiße Mehl in ihrem Fell schien ihm seinen Glanz zu nehmen.

Am Abend, noch bevor der Bauer die Schafe wieder in den Stall holte, fing es kräftig an zu gewittern. Die Blitze und Donner erschreckten Emma, und sie konnte nicht verstehen, dass keines der anderen Schafe ihre Angst zu teilen schien. Die Schafe standen in Herden beieinander, nur Emma stand ganz allein zwischen den Herden und zitterte, sodass sie kaum aufrecht stehen konnte. Der Regen platschte nur so auf ihren Körper und wusch all das Mehl wieder aus ihrem Fell heraus. Mit jedem Tropfen wurden die braunen und grauen Flecken auf ihrem Fell wieder sichtbar. Und mit jedem Tropfen wünschte sie sich umso mehr, dass sie an diesem Tag doch lieber bei Theodor im Stall geblieben wäre.

6

Sehr früh am nächsten Morgen, noch bevor auch nur eines der anderen Schafe wach war, konnte Emma bereits nicht mehr schlafen. Dieses Mal lag es nicht an einem surrenden Geräusch, sondern an den schnarchenden Schafen um sie herum, und an dem Heu, das sie irgendwie piekte. Wieder wurde sie neugierig und beschloss, noch einmal den Versuch zu wagen, ihr Fell mit weißem Mehl zu bestäuben. Es würde den Glanz aus ihrem vom gestrigen Regen frisch gewaschenen Fell nehmen. Doch weißes, struppiges Fell, so fand Emma, war noch immer besser als die brauen und grauen Flecken darauf. Und so tapste Emma erneut durch den kleinen Spalt in der Holztür aus dem Schafstall, um nach dem Mehlkübel zu suchen. Sie fand ihn nirgends. Dafür war die Sonne wieder da.

Die Frau des Bauern schien die einzige, die genau wie Emma wohl nicht mehr schlafen konnte. Vermutlich hatte auch der Bauer zu laut geschnarcht, sodass sie nun mit vielen Wäschekörben im Hof stand und die Wäschestücke auf der Leine aufhängte. Emma sah der Bauersfrau ruhig zu, wie diese ein weißes Bettlaken über die Wäscheleine schwang und es mit Wäscheklammern daran fest machte. Dann erblickte die Frau Emma, sah sie an und meinte nur: „Na, du Schaf, hat der alte Herr gestern vergessen, dich in den Stall zu sperren.“ Offensichtlich war die Stalltür nicht absichtlich offen gelassen worden.

Emma sah weiter dabei zu, wie ein Wäschestück nach dem anderen auf der Wäscheleine landete. Am meisten faszinierte sie jedoch das weiße Bettlaken, denn es war nicht nur weiß, sondern auch schön glatt. Die Bauersfrau lachte, als Emma ein paar Schritte rückwärts ging, doch sie hörte auf zu lachen, als sie sah, wie Emma plötzlich Anlauf nahm und direkt auf das weiße Laken zu rannte, sich daran festbiss und es damit von der Leine riss. Mit einem weißen Bettlaken über ihrem Körper hoppelte Emma nun über den Hof. Sie konnte nicht mehr sehen, in wohin sie rannte. Also sprang sie in großen Schritten, ihrer Erinnerung folgend und mit einer laut schimpfenden Bauersfrau hinter sich her rennend, direkt zurück in den Stall. Dort kam sie nicht weit, denn die schon hatte die Frau sie eingeholt, nahm Emma das Laken wieder weg und verschwand, noch immer schimpfend.

„Was, bitte, sollte das?“ hörte Emma den Vater fragen. Sie drehte sich um und sah hinter sich die Eltern, die sie mit wütenden Blicken ansahen. Die anderen Schafe waren inzwischen auch wach, und viele von ihnen hatten ebenfalls ihre Blicke abfällig auf Emma gerichtet. Einige schüttelten verständnislos die Köpfe, andere sahen beschämt weg, während die Eltern Emma ausschimpften. Emma antwortete nicht, weil sie sich schämte. Müde schleppte sie sich zurück in die Stallecke und beschloss, heute doch lieber wieder im Stall zu bleiben. Vielleicht würde Theodor wieder da sein. Keines der Schafe schien es zu stören, als Emma sich nicht einmal mehr die Mühe machte, so zu tun, als würde sie mit auf die Weide gehen. Sie ließen sie zurück im Stall, ohne sich noch einmal nach ihr umzudrehen.

7

Theodor kam und sah sofort, dass Emma sehr betrübt war. „Was ist los, kleines Schaf?“ – „Ich habe Dummheiten gemacht. Erst den Mehlkübel ausgekippt, dann der Bauersfrau ein weißes Bettlaken gestohlen. Und nun sind alle wütend auf mich, noch viel mehr als sonst.“ – „Ist doch nicht so schlimm.“ meinte Theodor nur tröstend. Und obwohl Emma die ganze Sache sehr wohl schlimm fand, so war es allein schon tröstend, dass zumindest Theodor sie noch gern zu haben schien. Emma fing plötzlich an zu weinen, warum, wusste sie auch nicht. „Und deshalb gehst du nicht mehr auf die Weide?“ – „Ja.“ – „Aber es muss doch schön sein dort, tagsüber.“ – „Nein, ich war ja gestern dort. Es ist kalt und nass und ungemütlich,“ schluchzte Emma, „und der Regenbogen ist auch nicht mehr da.“ – „Der Regenbogen?“ – „Das ist ein bunter Weg, den ich einmal gesehen habe. Wenn man ihn überquert, dann kommt man direkt zur Sonne. Ich weiß nur nicht, wo der Weg anfängt und wo er hinführt.“

„Hör mal,“ sagte Theodor, „es könnte doch sein, dass dieser Weg manchmal da ist und manchmal eben nicht.“ – „Du meinst, ich kann diesen Weg noch einmal sehen und dann herausfinden, wo er beginnt?“ – „Wenn du dann auf der Weide bist, schon.“ – „Aber wenn ich am Tag auf der Weide wäre, dann würde ich dich ja nicht mehr sehen.“ warf Emma ein. „Du musst mich nicht sehen, um zu wissen, dass ich da bin.“

„Was magst du so an der Dunkelheit in der Nacht?“ wollte Emma nun von Theodor wissen. „Das Geheul der Wölfe in weiter Ferne. Das Rauschen des Flusses in der Stille. Und den Wind, der mir entgegenkommt, wenn ich durch die Nacht fliege.“ Theodor sprach in Rätseln, fand Emma, doch genau diese Rätsel machten das, was er da sagte, umso interessanter. „Den Wind habe ich gespürt, den Fluss gesehen, aber die Wölfe habe ich nie gehört.“ sagte Emma, mehr zu sich selbst als zu Theodor. „Wer auch immer die Wölfe je gesehen hat, erzählte danach, sie seien sehr gefährliche Wesen. Sehr bösartig und grausam. Der Bauer hier hat einen gesehen, vor sehr langer Zeit. Seitdem besitzt er ein Gewehr.“ Emma wusste nicht, was ein Gewehr war, doch sie verstand, wovon Theodor sprach.

In der folgenden Nacht blieb Emma wach, in der Hoffnung, irgendwo in der Ferne das Geheul der Wölfe hören zu können. Lange Zeit war es still, nur das Grunzen der Schafe war zu hören, und der Wind, der von draußen durch die undichten Stellen des Schafstalles zu pfeifen schien. Und dann, von ganz weit her, hörte Emma die Wölfe. Obwohl sie sich fürchtete, so ganz allein, machte sie sich ganz vorsichtig auf zu der Holztür. Nun konnte sie das Geheul noch deutlicher hören und verstand noch ein wenig besser, was Theodor am Tag zuvor gemeint hatte. Die Mischung des dunklen Gesanges der Wölfe mit dem eisigen Klang des Sturmes, der draußen umher fegte, hatte doch etwas sehr Bedrohliches, etwas Angst einflößendes.

8

Einmal mehr gelang es Emma, durch die halb geöffnete alte Holztür aus dem Stall zu entkommen. Gleich darauf hörte sie die Tür hinter sich zuschlagen und zuckte zusammen. Emma bekam es nun doch mit der Angst zu tun und wollte wieder zurück in den Schafstall, doch es gelang ihr nicht, die Tür wieder zu öffnen, so sehr sie sich auch mit aller Kraft dagegen warf. Nun würde sie die ganze Nacht hier draußen in der Kälte verbringen müssen. Vielleicht würde sie irgendwo einen Unterschlupf finden. Suchend sah sie sich um, doch sie entdeckte nur einige Bäume und Sträucher am anderen Ende des Hofes, und so lief sie dort hin und legte sich unter einen Baum. Der Wind pfiff Emma um die Ohren und ließ die letzten vertrockneten Blätter gleichmäßig von den Bäumen auf den Boden fallen, das Wolfsgeheul in der Ferne war verklungen. Nun hatte das erhoffte Abenteuer wirklich nichts Faszinierendes mehr, es war einfach nur kalt und gruselig, hier draußen.

Plötzlich konnte Emma zwischen dem Rascheln der zu Boden fallenden Blätter und dem Pfeifen des Windes noch etwas anderes hören. Es war wie ein Knistern, nicht weit von ihr entfernt, dort in den Büschen. Emma hob den Kopf, stand leise – ganz leise – auf und entfernte sich von ihrem Versteck. Vielleicht würde sie etwas erkennen können, wenn sie sich ein wenig von ihrem Unterschlupf entfernte. Ihre Beine zitterten, während sie auf die sich bewegenden Äste der Büsche starrte. Oben auf dem Baum sah Emma ganz plötzlich Theodor, der sie nur still ansah, und so blieb auch Emma still, sagte nichts und rührte sich nicht von der Stelle. Inmitten aus dem Gebüsch tauchte nun ein Wesen auf, von dem Emma ganz genau wusste, dass es ein Wolf sein musste.

Der Wolf erblickte Emma, blieb stehen und blickte sie eine Weile einfach nur an. Ebenso stand Emma noch immer da, ohne etwas zu tun. „Was tust du hier, so mitten in der Nacht, Schaf?“ fragte der Wolf sie schließlich. „Ich habe dein Geheul gehört, ganz weit in der Ferne.“ – „Und dann wagst du dich noch hinaus?“ Emma wusste keine Antwort, aber fragte den Wolf: „Warum hast du nicht weitergesungen? Und warum bist du stattdessen hergekommen?“ Der Wolf sah sie ruhig an und antwortete: „Um zu töten.“ – „Mich?“ – „Die Schafe im Stall.“ – „Warum?“ – „Weil ich das nun einmal so mache.“ Emma sah zum Baum, in der Hoffnung, Theodor würde ihr ein Zeichen geben, doch Theodor war verschwunden.

„Lass doch die Schafe im Stall am Leben,“ meinte Emma zu dem Wolf, „und töte lieber mich.“ – „Warum sollte ich das tun?“ – „Weil mich niemand vermissen würde. Es würde gar nicht auffallen, dass du hier gewesen bist. Ansonsten würdest du dich in Gefahr begeben, vom Bauern erschossen zu werden. Er hat ein Gewehr, weißt du.“ – „Du bist mir zu langweilig, Schaf.“ sagte der Wolf knurrend. Langweilig, dachte Emma, so hatte sie auch noch niemand bezeichnet. Dabei war sie das in der Tat. „Der Sinn am Jagen ist doch der,“ fuhr der Wolf fort, „dass die Beute davon läuft.“ Auch das hatte Emma nicht getan. „Kannst du dann nicht woanders jagen gehen und die Schafe hier in Ruhe lassen?“ fragte Emma. „Aber natürlich.“ sagte der Wolf und verschwand wieder im Gebüsch.

9

Emma hatte direkt vor der alten Holztür des Schafstalles geschlafen und wachte erst auf, als einige der Schafe aufgeregt an ihr vorbei direkt auf die Weide liefen. Dieses Mal liefen sie nicht in der Herde sondern kamen nur vereinzelt durch die alte Holztür gerannt. Ihre Blicke waren starr, sie schienen Emma nicht wahrzunehmen. Gerade als Emma im Stall nachsehen wollte, wo die anderen Schafe blieben, kam der Bauer durch die Stalltür gelaufen, schloss sie hinter sich ab, sodass es Emma nicht mehr möglich war, auch nur einen Blick durch den Türspalt zu werfen. „Ab, auf die Weide mit dir!“ brüllte der Bauer sie an, und Emma fragte sich, ob der Bauer wusste, dass sie nachts aus dem Stall ausgebrochen war.

Und da fiel es ihr wieder ein, dass sie in der letzten Nacht dem Wolf begegnet war. So schnell sie konnte, lief sie auf die Weide zu den anderen Schafen, um nach den Eltern zu suchen. Sie konnte sie nirgends finden, wie es so oft der Fall gewesen war, doch dieses Mal machte es ihr wirklich Angst. Von einem Schaf zum anderen lief sie, immer in der Hoffnung, die Mutter oder den Vater zu erblicken. Sie fand sie nicht, und so lief sie ein weiteres Mal von einem Schaf zum anderen. „Er hat alle getötet, die er kriegen konnte.“ hörte sie eines der Schafe sagen. „Wer jetzt nicht hier ist, ist ihm zum Opfer gefallen.“ fügte ein anderes hinzu. Und erst jetzt wurde Emma bewusst, dass ihre Eltern nicht mehr da waren. Der Wolf hatte sie getötet. Er hatte nicht die Wahrheit gesagt.

Emma legte sich auf den kalten Boden, vergrub ihren Kopf unter den Pfoten und weinte bitterlich. Stunden lang lag sie dort. Warum hatte der Wolf nicht sie getötet? Warum hatte er ihr die Eltern genommen? Wo würde Theodor heute sein, wenn doch die Stalltür abgeschlossen war, und warum hatte er sie in der letzten Nacht nicht davor gewarnt, was geschehen würde, wenn sie einschlief? Am Horizont war der Regenbogen und leuchtete in allen Farben – gerade so, als wäre er immer da gewesen. Aus dem Wald konnte Emma den Gesang der Vögel hören, so als wäre nichts geschehen.

Als es Abend wurde, beschloss Emma, nicht mehr mit den anderen Schafen zurück in den Stall zu gehen. Stattdessen ging sie zum Fluss, wo sie nun begriff, dass das andere Schaf darin ihr Spiegelbild war. Sie betrachtete die braunen und grauen Flecken auf dem Fell genauer und fand nun, dass sie ihrem Fell eigentlich doch ein schönes Muster gaben. In der Dämmerung konnte sie Theodor sehen, der über das Feld flog, direkt in die Richtung des Regenbogens.

Verfasst von: Elly | Januar 1, 2009

Noch eine neue Kategorie…

ist zumindest geplant.

Psychologie für Anfänger und Verwirrte:-)

Wir werden sehen, was daraus wird.


Verfasst von: Elly | Dezember 1, 2008

Psychiatriegeschichten…

Irgendwann sollten wir in der Berufsschule mal eine Kurzgeschichte schreiben, in der es so  eine Art „Wiederholungseffekt“ gibt. Ich hatte nicht die geringste Lust darauf, meinen Nachmittag am Computer zu verbringen, noch dazu hatte ich nicht die geringste Idee für eine solche Geschichte.


Nun konnte ich also lediglich auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Aus Frust ist dann die folgende Kurzgeschichte entstanden, die auf Gespächen mit einem an Schizophrnie erkrankten Menschen basieren:

F20.0


Er sitzt auf dem Bett in diesem kleinen Zimmer und starrt die weiß gestrichenen Wände an. Schon vor langer Zeit hatte man ihn in dieses Einzelzimmer verlegt. Vier Stunden.

Gleich würde die Tür aufgehen, und wieder würde er überprüfen müssen, ob tatsächlich jemand hereingekommen war, das wusste er genau. Die Tür ging auf, er hörte ein freundliches „Guten Abend!“. Die Schwester, ihren Namen wusste er nicht, würde ihm einige Pillen und ein Glas Wasser reichen, neben ihm stehen bleiben, bis er sie alle genommen hatte. Etwa alle zwei Wochen ändert man seine Medikation, daran hat er sich gewöhnt. Geholfen hatte es nie. Eine Stunde.

Auch heute würden sie wieder da sein, das wusste er. Meist kommen sie am Abend oder in der Nacht. Zuerst sind es oft zwei, die ruhig zu ihm sprechen. Dann kommen einige von ihnen dazu, ohne dass er sagen könnte woher. Sie reden über ihn, und er versucht sie abzuwehren. Läuft in dem kleinen Zimmer auf und ab, versucht, sie zum Gehen zu bringen. Fragt sich, wie lange sie heute bleiben würden.

Doch sie gehen nicht, reden über ihn, werden nervös. Ihre Gespräche und ihr Zureden werden warnend, fast vorwurfsvoll. „…Feuer…“ Er schreckt auf, versucht mitzubekommen, von welchem Feuer sie sprechen und wo das Feuer ist, doch sie reden zu schnell, sehr laut und durcheinander. „Feuer, es brennt, alle raus!“ Immer wieder hört er sie das sagen, wird immer panischer. Doch er versteht nicht, was sie meinen, irrt nervös in dem kleinen Zimmer umher, sucht nach dem Ausgang. „Wo ist der Ausgang?“ fragt er sie. „Nicht die Tür aufmachen, da ist da Feuer!“ rufen sie ihm zu. Er geht zum Fenster, will es öffnen. Es ist abgeschlossen. „Wo seid ihr?“ ruft er, doch sie antworten nicht. „Hört ihr mich?“ Wieder keine Antwort, nur das Brennen des Feuers. Wie viel Zeit bleibt noch?

Er öffnet die Tür, kann durch den Rauch nichts sehen, und schreit „Feuer, wir müssen raus hier!“. Er rennt zu der großen Glastür, doch auch sie ist abgeschlossen. Schlägt mit den Händen dagegen, tritt gegen den Türrahmen, wirft schließlich seinen Körper mit aller Kraft dagegen, doch die Tür bleibt verschlossen. Wieder schreit er, weint verzweifelt, hört, wie die Flammen sich ihm nähern und kann durch den Rauch kaum noch atmen. Keine Zeit mehr.

Plötzlich sind sie wieder da, packen ihn von hinten. Er versucht sich zu wehren, doch sie sind stärker. „Lasst mich raus, bitte!“, fleht er, „es brennt, lasst mich raus!“ Sie sagen etwas, doch er kann es nicht verstehen. Einen Moment piekt es an seinem Oberarm, dann werden seine Beine schwächer. Sie haben gewonnen. Bringen ihn zurück in das Zimmer, legen seinen Körper auf das Bett und fixieren seine Arme und Beine mit Manschetten am Bettrahmen. Zu Spät.

Er wacht auf und ist wieder in dem weiß gestrichenen Zimmer. Immer noch liegt er auf dem Bett, doch seine Arme und Beine sind nicht mehr fixiert. Er kann sich hinsetzen, auf dem Nachttisch steht ein Tablett mit seinem Frühstück. F 20.0, paranoide Schizophrenie, lautet die Diagnose. Jetzt weiß er das, kann klar denken. Doch am Abend würden sie wieder kommen. Vierundzwanzig Stunden. Vielleicht mehr oder weniger.

Verfasst von: Elly | November 20, 2008

Meine allererste Geschichte

Neulich beim Aussortieren alter Zeitungsartikel und dergleichen haben ich eine Geschichte gefunden, die allererste der sehr wenigen, die ich bislang geschrieben habe. Mein Schriftbild hat sich seitdem wirklich enorm verändert, heute kann niemand außer mir meine Aufzeichnungen lesen.

Die Geschichte an sich ist nichts weiter Spannendes, eher peinlich. Faszinierend finde ich nur die Tatsache, dass es 14 (in Worten vier-zehn) Jahre her ist als ich sie schrieb.  Damals war ich dreizehn Jahre alt. Demnach hat also auch das Blatt, auf dem ich sie schrieb, ganz enorm gelitten…

Die Geschichte auf dem Schreibblock von damals...

Die Geschichte auf dem Schreibblock von damals...

-ohne Titel-

Zitternd stand Melanie vor der Klassenzimmertür und starrte auf das Messingschild an der Tür. Von heute an würde sie in die 6a gehen. Noch fast 10 Minuten stand sie da, mit der Schultasche auf dem Rücken und dem Anmeldeformular in der Hand. Dann endlich überwand sie sich zu einem zaghaften Klopfen, von dem sie meinte, daß man es in der ganzen Schule gehört haben mußte. Als Melanie in die Klasse trat, starrten ihr 25 fremde Gesichter entgegen. „Du bist Melanie?“ fragte sie Herr Gruber, der Klassenlehrer. Sie nickte nur. „Das ist Melanie Krause“, sagte er, nun zur Klasse gewandt, „sie gehört ab heute in unsere Klasse.“
„Erzähl uns doch ein bißchen von dir.“ Fuhr er fort. U n s ? dachte Melanie. Der einzige, der an ihrer Vergangenheit interessiert war, war wohl der Lehrer, denn die Schüler saßen mit langweiligen, uninteressierten Gesichtern in ihren Bänken. Einige von ihnen kauten Kaugummi, andere malten Bilder oder schrieben Briefchen an ihre Tischnachbarn. „Wir sind erst vor zwei Tagen nach Köln gezogen. Davor haben wir in Bremen gewohnt.“ Melanie versuchte zu lächeln, wäre aber am liebsten im Erdboden versunken. Herr Gruber schien das gemerkt zu haben, denn er fragte nicht weiter, sondern sagte, Melanie solle sich auf den Platz neben Paulina setzen.
Während des Unterrichts erreichten Melanie einige kleine Zettelchen von Mitschülern. Meistens sollte sie irgendwelche Fragen beantworten, aber einmal wurde sie auch gewarnt: „Freunde dich bloß nicht mit Paulina an, die ist total doof!“ Sie sah in die Klasse. Die meisten folgten dem Unterricht, aber einige sahen noch immer neugierig zu ihr herüber. Dann sah sie zu Paulina. Die tat so, als wäre Melanie überhaupt nicht da und konzentrierte sich stark auf den Unterricht.

In der Pause drängten sich viele um den Tisch von Melanie und stellten ihr Fragen. Nur Paulina war gleich am Anfang der Pause aus dem Klassenzimmer gegangen. „Wenn sie nichts mit mir zu tun haben will, kann ich auch nichts dafür.“ Dachte Melanie, und sie war froh, daß wenigstens der Rest der Klasse sie nicht mehr ablehnte. Kurz bevor es zur Geographiestunde läutete, kam Paulina wieder in die Klasse.
Die Geographielehrerin kam erst zwei Minuten nach dem Klingeln und ging sofort auf Melanie zu. „Oh, wen haben wir denn da? Du mußt die neue Schülerin sein.“ Dann sah sie zu Paulina. „Und du, Paulina, hast jetzt endlich eine Partnerin, mit der du das Amerikaplakat machst.“ Paulina sah die Lehrerin entgeistert an, und Melanie merkte, daß sie am liebsten laut protestiert hätte. Während des gesamten Unterrichts sah Paulina Melanie noch böser an als zuvor und wechselte kein Wort mit ihr.
Nach Unterrichtsschluß reichte es Melanie. Sie ging auf Paulina zu, die gerade dabei war, ihr Fahrrad abzuketten. „Ich hab‘ eine Frage an dich.“ Begann Melanie, doch Paulina sah sie nicht an. „Wann müssen wir das Plakat fertig haben?“ „In einer Woche.“ Melanie war erstaunt, weil Paulina tatsächlich geantwortet hatte. „Ich war schon zweimal in Amerika. ZU Hause haben wir viele Fotos und Bücher davon.“ Erzählte Melanie. „Du kannst morgen und übermorgen am Nachmittag zu mir kommen, dann schaffen wir es schon.“ „Wirklich?“ Paulina lächelte. „Sicher.“ Antwortete Melanie. „Ich muß los. Also dann, bis morgen!“ sagte Paulina und fuhr mit dem Fahrrad davon. „Bis morgen!“ rief Melanie ihr hinterher und lächelte.

Verfasst von: Elly | November 14, 2008

Bilder (2)

Ein weiterer Einblick in meine Handykamera-Fotografierorgie aus dem Jahr 2005, diesmal stammen die Bilder aus dem Herbst beziehungsweise Winter des Jahres.

Ein verregneter Tag (Ich liebe Regen! Zumindest dann, wenn ich nicht raus muss und es mir stattdessen mit einer Decke, einem Buch und einer Tasse Tee auf der heimischen Couch gemütlich machen kann.) Und: Der erste Schnee im Winter 2005/06.

Verfasst von: Elly | November 12, 2008

Bilder (1)

Es gibt Zeiten im Leben, da bleibt nichts übrig von dem, was vorher noch wichtig war und das Leben einst lebenswert machte.

Diese Fotos stammen aus einer solchen Zeit. Denn während im Sommer 2005 um mich herum alles auseinandergefallen war, konnte ich plötzlich die ganz kleinen, eigentlich so selbstverständlichen Dinge wahrnehmen.

Die Bilder habe ich damals mit der Kamera meines Handys aufgenommen, deshalb hält sich die Qualität in Grenzen. Aber genug erklärt, weihen wir die neue Kategorie also endlich ein;-)



Sonnenaufgang und Sommernacht im Juli 2005


Verfasst von: Elly | November 1, 2008

Eine neue Kategorie: Kreatives

Hier also meine gesammelten „Werke“, Bilder, Geschichten usw.

Menschen, die sonst mit mir zu tun haben, würden jetzt wohl etwas irritiert sein, wenn nicht geschockt. Denn ich bin nicht gerade für mein künstlerisches Talent bekannt. An dieser Stelle also eine Warnung an alle, die in irgendeiner Weise begabt sind;-)

Keine Gefahr dagegen besteht bei Personen, die

  • etwa die Hälfte ihrer Experimente mit Papier und Farbe am Ende in Faltbote, Segelflieger oder Hüte verwandeln und sie anschließend in den Papierkorb befördern.
  • böse Blicke von Mitmenschen ernten, sobald sie singen. (Insbesondere sei hierbei das Mitsingen einer klassischen Oper in der hintersten Reihe im Publikum erwähnt.)

Soweit, so gut. Wir werden sehen, was passiert.


MfG usw.


Verfasst von: Elly | Oktober 14, 2008

Kaminfeuer. Oder: Backofen brennt!

Früher habe ich oft gebacken, manchmal Kuchen, meist aber Brot aus Brotbackmischungen. Das stets zusammen mit meinem Freund, Dr. Oet*ker. Inzwischen musste ich erkennen, dass Backen so einige Gefahren mit sich bringt, genauso wie Kochen. Zumindest dann, wenn man dazu neigt, die Mengenangaben und Zutaten in Rezepten „eher kreativ“ zu handhaben.

Ich habe es aufgegeben – sowohl das Backen und Kochen als auch die Experimente mit den Rezepten – nachdem ich mich ein paar Male durch den Rauch in der Küche kämpfen musste, der mir aus Richtung des Backofens entgegen kam, und der die ganze Wohnung noch Tage danach mit einem Geruch nach verbranntem Irgendwas versetzte. (Nix mit gesund oder kreativ also.)

Ganz „gemütlich“ wurde es, als ich mir vor längerer Zeit mal irgendwas im Backofen machen wollte (- ich kann mich nicht einmal daran erinnern, was das war…).

Zumindest weiß ich jetzt, dass eine Stunde genau ausreicht, um den Backofen in einen Kamin zu verwandeln. Nachdem ich mich in der Küche durch den Rauch gekämpft hatte und die Backofentür öffnete, schossen mir plötzlich Flammen entgegen. – Ich weiß, ich neige dazu, die Dinge zu dramatisieren, aber diesmal ist es NICHT so. Ganz im Ernst, in dieser Situation habe ich wirklich Angst bekommen. Instinktiv habe ich folgendes gemacht:

  1. Backofentür schließen (andernfalls bekommt das Feuer noch mehr Sauerstoff)
  2. Backofen ausschalten (falls nicht schon geschehen)
  3. Wasser aufs Backblech (und nur dort hin!) schütten – die Backofentür dabei nur ganz vorsichtig und sehr kurz öffnen (NICHT, wenn Öl oder anderes Fett im Backofen befindet! Mir fällt gerade nicht ein weshalb, aber das soll man in keinem Fall machen.)
  4. Warten und Hoffen… (Bei mir ist es gut ausgegangen. Funktioniert auch noch alles, abgesehen jetzt mal vom Backblech. Die Rußspuren ließen sich später auch halbwegs ohne Probleme beseitigen.)
  5. Erkennen, dass eine Löschdecke und ein Feuerlöscher angeschafft werden müssen.

Und ja: das ist mir enorm peinlich.

Eine Freundin meinte jedenfalls später zu mir, es wäre doch abnormal, dass jemand sein Essen schlichtweg „vergisst“ und nicht ungeduldig in der Küche herumläuft und darauf wartet, dass es endlich fertig ist….

MfG usw.

Verfasst von: Elly | Oktober 12, 2008

Gefahr aus dem Supermarkt

Eigentlich dachte ich sei ich allen Gefahren aus dem Supermarkt entronnen. Denn ich backe nicht mehr und koche nichts, was nicht innerhalb von zehn Minuten fertig ist. Und eigentlich hatte ich auch keine Lust mehr, über Supermärkte zu schreiben – denn ich hasse Einkaufen. Egal…

Also: Ich versuche, jeden Tag eine Flasche Mineralwasser zu trinken, wegen der wertvollen Mineralien natürlich – wenn man von dem bisschen Uran und dem hohen Natriumwert mal absieht, ist das doch eine tolle Sache. Und weil ich keine Lust darauf habe, dass sich die Pfandflaschen in meiner Küche stapeln, gebe ich sie auch brav wieder ab, sobald ich neues Wasser kaufen gehe.

Nun ist das so, dass ich in den meisten Supermärkten dafür extrem viel Zeit einplanen muss, weil es so einige Menschen gibt, die mit Koffern und Reisetaschen voll leerer Flaschen geradezu angereist zu kommen scheinen. Und so stehe ich meist an, höre jeden dieser Menschen mindestens (!!) einmal fluchen, weil der Automat streikt oder weil es „wirklich unglaublich“ scheint, dass der Automat keine Flaschen annimmt, die zerbeult oder zerkratzt sind oder solche, die gar keine Pfand-Flaschen sind.

Wenn ich nach den gefühlten drei Stunden Anstehen und Warten nicht wegen Dehydratation umgekippt bin, dann komme ich auch endlich dazu, meine drei Flaschen in den Automat zu befördern. Die Supermarktkette L*DL (Das ist jetzt mit Absicht so geschrieben – ich will ja nicht verklagt werden…) hat jetzt eine ganz tolle Strategie, die Pfandflaschenabgabe zu einem besonderen Erlebnis zu machen: Direkt neben dem blauen Knopf „Bon ausdrucken“ befindet sich ein weiterer, roter Knopf mit der winzigen Aufschrift „Betrag spenden“. Wer nicht aufpasst, wählt da schnell das, was er eigentlich nicht vorhatte, denn Rot springt nun einmal mehr ins Auge als Blau. Und überhaupt: Für was würde man den Betrag spenden? Die Kaffeekasse der Filialmitarbeiter? Die Förderung der Uranherstellung? Für mehr dieser Automaten, damit man nicht mehr so lange anstehen muss?

Sollte ich danach noch die Nerven dazu haben, gehe auch gern noch in den Supermarkt, um meinen Pfandbon einzulösen und neues Wasser und was auch immer ich benötige zu holen. Meist bin ich dann aber soweit, dass ich die Sachen nur noch apathisch in den Einkaufswagen schmeiße. Manche Sonderangebote scheinen die Eigenschaft zu besitzen, sich praktisch „von allein in den Korb zu werfen“. Jedenfalls kommt es bei mir oft vor, dass ich wegen Obst, Zimt für den Kaffee (ja, ich mag das!) und Mineralwasser (und wegen des Pfandbons, natürlich!) in den Supermarkt gehe und dann mit Kaffee, Kaugummi, Gewürzen, Weintrauben im Sonderangebot, Birnen, Mangofrüchten, getrockneten Apfelringen (wer isst sowas?? – Igitt!), Bohnen aus der Dose, Studentenfutter in der Tüte, einer Wärmflasche, etlichen Gesichtsmasken und natürlich einer Packung Zigaretten an die Kasse gehe. Ach ja: Zimt habe ich natürlich nicht finden können. Wurde wegen der Schadstoffe aus dem Sortiment genommen, nehme ich an.

Für gewöhnlich fällt mir beim Bezahlen auch noch jede Menge Kleingeld aus dem Portemonnaie, aber das überspringen wir jetzt mal… Der Blick auf den Kassenbon birgt ein besonderes Risiko in sich, nämlich die Erkenntnis, dass:

  • wieder alles teurer geworden ist (Wobei ich vielleicht die Kreativität hervorheben sollte, mit der das geschehen ist, denn die Bohnen in der Dose waren letze Woche noch zum Normalpreis im Sonderangebot und sind jetzt eben ein paar Cent teurer – das muss man erst einmal hinkriegen!)
  • dass das ausgepriesene Sonderangebot der Weintrauben zum Normalpreis gescannt wurde (Rein rechtlich müsste ich jetzt übrigens den Normalpreis zahlen, denn die Auspreisung der Ware im Supermarkt ist nicht verbindlich. Ich werde wohl, wie so oft, trotzdem mein Glück versuchen.)
  • dass die Kaugummis doppelt gescannt wurden, obwohl ich sie augenscheinlich nur einmal gekauft habe
  • dass ich das Wasser vergessen habe und dass der Pfandbon noch immer in meiner Jackentasche ist.

Ich habe jetzt auch gar keine Lust mehr, auch noch darüber zu schreiben, wie schwierig es manchmal sein kann, diese Dinge mit der Kassiererin oder dem Kassierer zu klären (auch mal abgesehen von den genervten Blicken der anderen Kunden, die nun noch länger an der Kasse warten müssen). Dass ich nach einer solchen Prozedur nicht schon einmal aus Verwirrung gegen eine Straßenlaterne gelaufen bin, grenzt jedenfalls an ein Wunder.

Zum Schluss noch folgende Warnung: Bohnen aus der Dose können tödlich sein – wenn man zu blöd ist, einen Dosenöffner zu benutzen und sich an der scharfen Kante der halb geöffneten Dose die Finger schneidet.


MfG usw.

NACHTRAG: Die Spende des Pfandgeldes der besagten Kette geht an „Die Tafeln“, also eine Einrichtung, die nicht verkaufte Lebensmittel sammelt und dann an Bedürftige verteilt. Unter diesen Umständen finde ich die Verwirrung mit den Knöpfen zumindest teilweise entschuldbar.

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