Verfasst von: Elly | August 8, 2008

Manchmal…

…ist das Leben ja doch nicht so übel – wenn auch erst auf den zweiten Blick.

Ich gehöre zu den Menschen, die ständig etwas verlieren, vergessen oder versehentlich Dinge umstoßen und dann auch noch darüber stolpern. Ich bin die, der die Wasserflasche in der Tasche ausläuft, wenn sich darin geliehene Unterlagen befinden. Die, die beim Bahnfahren von Kontrolleuren herausgefischt wird, weil die Monatskarte nicht mehr gültig ist. Die, die beim ersten Date vom Stuhl fällt und dabei die Tischdecke mit allem drum und dran herunterreißt.

Deshalb hat es mich gestern auch gar nicht gewundert, dass ich, gerade auf dem Weg von der Straßenbahn-Haltestelle nach Hause, meinen Haustürschlüssel wohl in der Straßenbahn hatte liegen lassen. Eine blöde Sache, wenn man mit einem schweren Rucksack voller Klamotten schon zwei Stunden durch die Gegend gefahren ist – und das bei über 30 Grad.

In meiner Panik und Wut auf mich selbst bin ich also zurück zur Straßenbahn-Haltestelle gerannt (soweit das mit viel Gepäck eben möglich ist) und in die nächste Bahn eingestiegen, wo ich erstmal beim Fahrer geklopft habe, der dann das kleine Türchen der Fahrerkabine öffnete um mich mit fragendem, halb genervten Blick anzusehen.

“Entschuldigung,” (wieso entschuldige ich mich eigentlich für eine Frage?) “ich habe meinen Schlüssel in der Bahn direkt vor Ihrer liegen lassen, macht es Sinn, wenn ich hier noch mitfahre?” Er überlegte kurz und meinte dann: “Ja, könnte noch klappen.”

Also nahm ich die Bahn bis zur Endhaltestelle, wo ich erstmal irritiert durch die Gegend gelaufen bin. Überall Gleise und Straßenbahnen (gut, nicht sehr ungewöhnlich). Ich entdeckte die Bahn, in der mein Schlüssel liegen müsste – ein Lob an die Werbebranche, die einfach jeden Zug und jede Bahn mit netten Hinweisen auf neue Dienstleistungen verschönert. In der Hoffnung, die Bahn würde mir nicht vor meiner Nase davon fahren, lief ich zielgerichtet darauf zu. Notfalls würde ich mich von außem an die Bahn klemmen, aber ich wollte meinen Schlüssel wieder haben!

Lange Rede, kurzer Sinn – die beiden Fahrer hatte sich schon verständigt, und als ich die Fahrerkabine der Straßenbahn erreichte, stand die Fahrerin bereits mit meinem Schlüssel in der Hand da. Ich bedankte mich und lief nun zurück zur Endhaltestelle. Und nun die große Frage:

Was lernen wir daraus?
  • Man sollte den Haustürschlüssel wirklich erst vor der Haustür aus der Tasche holen (sofern man die nicht auch im Zug vergessen hat).
  • Rennen mit Gepäck nervt unheimlich – und sieht albern aus.
  • Endhaltestellen können ziemlich öde und verwirrend sein.
  • Werbung an Zügen kann vor Obdachlosigkeit schützen.
  • Organisierte Menschen sparen unglaublich Zeit, erleben aber weniger.
  • Nicht alle Mitarbeiter der öffnetlichen Verkehrsmittel sind unfreundlich – auch wenn es manchmal so wirkt.

MfG usw.


Einen Kommentar hinterlassen

Ihre Antwort:

Kategorien