Verfasst von: Elly | August 11, 2008

Wie man einen freien Tag effektiv verschwendet…

Voraussetzung ist zunächst, dass man sich für diesen Tag möglichst viel vornimmt. Ohne Plan geht da gar nichts. Wer weniger als eine Stunde braucht, um diesen Plan zu erstellen, hat sowieso schon verloren. Mindestens eine Woche vorher sollte man sich schon Gedanken gemacht haben, was man an diesem Tag alles erledigen möchte:

  1. die Bücher endlich zur Bibliothek bringen (unbedingt Kleingeld für die Versäumnisgebühren mitnehmen!)
  2. im Fitness-Studio anrufen, um einen Termin zum Probetraining zu vereinbaren
  3. einen Brief schreiben, um das Zeitungsabo zu kündigen
  4. die eingeflatterten Briefe des letzten Monats endlich in die Ordner einsortieren, die im Schrank stehen
  5. den Stapel mit Altpapier zum Container bringen
  6. endlich mal den “Keine Werbung!”-Aufkleber am Briefkasten befestigen (siehe Punkt 4)
  7. Wollmäuse ausquartieren und Staub wischen
  8. Fenster putzen
  9. Wäsche waschen und bügeln
  10. koffeinfreien Kaffee und Nikotinpflaster kaufen

Grundsätzlich sollte der Wecker auf 7 Uhr gestellt werden – keine Minute später, es ist ja schließlich nur pro forma ein Urlaubstag. Man wacht also gegen 9:30 Uhr auf und schaut irritiert auf die Uhr. Der Tag beginnt etwas später als geplant, aber kein Problem. Nach einem Kaffee, einer Zigarette und einer Dusche sieht die Welt anders aus.

Was war heute eigentlich zu tun? Bibliothek, ach ja. Später. Staubwischen? Nein, nicht das grausamste von allem zuerst. Außerdem müsste man dazu erstmal ein bisschen aufräumen. Noch ein Kaffee, noch eine Zigarette. Man macht den Computer an, um die E-Mails abzurufen. Und siehe da, es ist Post da. So schreibt man nun eine E-Mail nach der anderen, surft ein bisschen hier und da – Mittagszeit. Der Kühlschrank gibt nicht so sehr viel her, aber für einen Obstsalat mir Jogurt reicht es.

Nun also die Wäsche… erst mal nach Farben sortieren. Bleibt die Frage, ob man die Einteilung danach vornimmt, welche Farbe die Teile jetzt haben, oder welche Farbe sie eigentlich haben sollten, wenn sie sauber wären. Das Shirt mit dem riesigen Farbklecks des letzten künstlerischen Anfalls fliegt also besser in den Müll, Farbe hin oder her. Wenn dann der Rest endlich sortiert ist (oder zumindest halbwegs) kann es losgehen, fehlt nur noch das… Waschpulver. Ach ja, muss also auch noch mit auf die Einkaufsliste.

Jetzt hat man sich eine kurze
Pause verdient, in der man auch nur feststellt, dass im Fernsehen wie eh und je blöde Talkshows laufen. Dass es Menschen gibt, die lieber von Hartz IV leben als arbeiten zu gehen, ist ja nicht neu. Verkrachte Liebespärchen, die mit Hilfe des norddeutschen Talkmasters wieder zusammenfinden wollen, gibt es auch schon seit Jahren. Leute, die sich nichts aus ihrem Übergewicht machen, sowieso. Dann eine dieser Gerichtsshows, in der die rothaarige Richterin den bösen Laien-Verbrechern den Garaus macht. So viel Müll auf einmal ist anstrengend.

Nun überlegt man, wie der Tag vielleicht noch zu retten wäre. Ein Spaziergang an der Sonne wäre nicht schlecht. Während man nun auf dem Weg zum Park die Altpapier-Container sieht, denkt man an den Stapel alter Zeitungen und Prospekte, der noch immer im Flur herumliegt. Und den Aufkleber, den man am Briefkasten anbringen wollte, damit sich das Altpapier-Chaos nicht noch ausweitet. Und das Zeitungsabo, das nun immer noch nicht gekündigt ist.

Im Park sind viele Kinder, einige rennen wild herum, ein paar andere spielen Fußball. Ein paar Kinder nutzen das bisschen Wind und lassen Drachen in die Luft steigen. Einige andere füttern die Enten an dem kleine nSee. In jedem Fall scheinen sie völlig sorglos zu sein, keinen Gedanken an Altpapier oder Wäsche zu verschwenden. Das Wichtigste scheint in diesem Moment zu sein, dass der eine Junge den Ball am andere vorbei direkt in das imaginäre Tor schießt. Und dass das kleine Mädchen schneller rennt als das andere, das ihm kreischend hinterherjagdt. In dem Moment, wo beide am See angelangt sind und ein paar kleine Entchen mit Entenmama entdecken, scheint der Wettstreit von eben vergessen. Der Drachen ist noch immer in der Luft und macht den Blick in den Himmel noch ein wenig schöner.

Völlig in Gedanken versunken sitzt man sitzt man nun also Stunden später noch immer auf dem Rasen. Die Kinder sind fast alle zum Abendessen nach Hause verschwunden. Und weiß jetzt, dass Wäscheberge und Altpapierstapel nicht alles im Leben sind, schon gar nicht an einem Urlaubstag.

Was lernen wir daraus?

  • Bücher kann man auch über das Internet verlängern.
  • Sport macht in der Natur wesentlich mehr Spaß
  • Nikotinpflaster sind Geldverwendung – ohne Stress raucht man auch weniger
  • Manche Geschäfte haben nach 20:00 Uhr auf – und führen auch koffeinfreien Kaffee
  • Arbeit im Haushalt geht fast wie von selbst, wenn man gut erholt ist
  • Manche Dinge können auch warten

MfG usw.


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