Kinder berreichern das Leben, heißt es so schön. Oder auch: Ohne Kinder macht das Leben keinen Sinn. Wer sich das wohl ausgedacht hat? Ich hatte bei einem Kurzurlaub die Gelegenheit, den Alltag einer Familie mit Kleinkind zu erleben, und ich muss ehrlich sagen: Gut, dass es nun vorbei ist.
Irgendwie hatte ich immer die Vorstellung, Kinder würden dem Familienleben eine gewisse Harmonie verleihen. Die Vorstellung, eines Tages verheiratet zu sein und Kinder zu haben, hatte immer etwas enorm Romatisches. Etwa so wie meine Vorstellung als Teenager, eines Tages würde ich der Liebe meines Lebens begegnen und wir würden glücklich bis ans Lebensende sein. Nun, was die Liebe meines Lebens und das Glücklichsein bis ans Lebensende betrifft – das war ein glatter Reinfall. Die Erkenntnis, dass in jeder Beziehung auch Probleme auftauchen, die sich manchmal nicht so ohne Weiteres lösen lassen und im Extremfall zum Ende der Beziehung führen, war bitter. Noch bitterer war die Erkenntnis, dass die Probleme in der nächsten Beziehung im Grunde die gleichen sind, nur eben anders. Ob das vielleicht an meinem komplizierten Wesen liegt?
Mit dem Traum von einer eigenen Familie scheint das ähnlich zu sein. Familieleben bedeutet eben nicht (nur), dass ein Ehepaar in romantischer Zweisamkeit durch den sonnigen Park spaziert und dabei die Kinder beim Spielen beobachtet.
Die Realität sieht wohl so aus, dass die jungen Eltern dem Kleinkind ständig hinterher laufen müssen, um zu verhindern, dass es in Steckdosen fasst, sich an scharfen Kanten den Kopf stößt, Bücherregale oder Küchenschränke ausräumt oder anderen Kindern auf dem Spielplatz Eimerchen und Schaufel stibitzt und möglicherweise noch dazu nutzt, um fremde Eltern mit Sand zu attackieren.
Die Realität ist wohl auch, dass kleine Kinder nicht immer so friedlich sind wie sie im ersten Augenblick aussehen.
Das fängt an beim
- Nörgeln am Frühstückstisch, weil Spielen jetzt so viel interessanter wäre als der langweilige Brei im bunten Plastikschüsselchen,
zieht sich über den Tag hindurch bis hin zum
- abendlichen Quängeln beim Baden, weil das gewöhnlich bedeutet, dass es nun Zeit zum Schlafen ist.
Auch dazwischen gibt es viele Gründe, weshalb ein Kind seiner Unzufriedenheit Ausdruck verleihen kann:
- Eine Windel, die gewechselt werden soll,
- ein Schokoriegel an der Supermarktkasse, der nicht im Einkaufskorb landet,
- zu zeitiges Nach-Hause-Gehen vom Spielplatz,
- zu wenig Aufmerksamkeit während Mama oder Papa kochen, putzen oder gar mit anderen Personen reden,
- Arztbesuche, insbesondere wenn eine Spritze fällig ist,
- Langeweile
- und was es eben sonst noch gibt.
Und letztlich bedeutet ein Kind oftmals auch, dass sich die Beziehung zwischen Partnern enorm verändert. Sie widmet sich plötzlich ganz dem Kind, muss vierundzwanzig Stunden verfügbar sein. Er stürzt sich in die Arbeit, ist kaum noch zu Hause – damit mehr Geld für die Familie da ist. Damit bleibt der Haushalt nun auch noch an ihr hängen. Dabei hätte sie doch eher gedacht, dass er sie jetzt besonders unterstützen würde, während sie sich um das Kind kümmert. Stattdessen beschwert er sich, er könne nachts nicht schlafen, weil sie mehrmals aufstehen und nach dem Kind sehen muss. So zieht er auf die Couch im Wohnzimmer, verbringt die wenige Zeit zuhause dann auch noch vor dem Computer. Hin und wieder nimmt er dann doch mal das Kind während sie die Wäsche macht, spielt mit dem Kind Verstecken oder Ich-Sehe-Was-Was-Du-Nicht-Siehst. Dann wird sie irgendwie eifersüchtig, weil er so ausgelassen Zeit mit dem Kind verbringen kann, während sie sich ständig kümmern und die unangenehmen Teile des Elternseins durchleben muss. Und auch kaum noch Zeit hat, mal zum Friseur zu gehen, geschweige denn sich mit Freunden zu treffen.
Ist das nun die Realität oder nur ein Einzelfall? Irgendwo habe ich zwar immer gewusst, dass Kinder ein Vollzeitjob sind, aber dass Vollzeit in diesem Fall nicht nur acht, sondern vierundzwanzig Stunden bedeutet, das war mir, ehrlich gesagt, nicht bewusst. Dass sich das Zusammenleben in der Ehe derart verändern kann, hätte ich auch nie gedacht. Und dazu kommen oft auch noch Geldprobleme – ein Gehalt fällt zumindest teilweise weg, die Ausgaben und Belastungen steigen aber. Kinder benötigen nun einmal Kinderwagen und Laufgitter, Kleidung und Spielsachen, sie wollen in den Freizeitpark oder Zoo gehen, sie haben Geburtstag. Dazu kommen die ganz alltäglichen Dinge wie zusätzliche Kosten für Lebensmittel, Energie und Kindergarten bzw. Schule.
Ich zumindest, habe den Kinderwunsch (erst einmal?) aufgegeben. Nach dem, was ich in dieser kurzen Zeit so mitbekommen konnte, hat mein Single-Dasein plötzlich wieder ungemein an Attraktivität gewonnen. Und ganz nebenbei gesagt, hat der zukünftige Vater meiner Kinder bisher ohnehin keine Anstalten gemacht, in mein Leben zu treten.
MfG usw.