Verfasst von: Elly | November 20, 2008

Meine allererste Geschichte

Neulich beim Aussortieren alter Zeitungsartikel und dergleichen haben ich eine Geschichte gefunden, die allererste der sehr wenigen, die ich bislang geschrieben habe. Mein Schriftbild hat sich seitdem wirklich enorm verändert, heute kann niemand außer mir meine Aufzeichnungen lesen.

Die Geschichte an sich ist nichts weiter Spannendes, eher peinlich. Faszinierend finde ich nur die Tatsache, dass es 14 (in Worten vier-zehn) Jahre her ist als ich sie schrieb.  Damals war ich dreizehn Jahre alt. Demnach hat also auch das Blatt, auf dem ich sie schrieb, ganz enorm gelitten…

Die Geschichte auf dem Schreibblock von damals...

Die Geschichte auf dem Schreibblock von damals...

-ohne Titel-

Zitternd stand Melanie vor der Klassenzimmertür und starrte auf das Messingschild an der Tür. Von heute an würde sie in die 6a gehen. Noch fast 10 Minuten stand sie da, mit der Schultasche auf dem Rücken und dem Anmeldeformular in der Hand. Dann endlich überwand sie sich zu einem zaghaften Klopfen, von dem sie meinte, daß man es in der ganzen Schule gehört haben mußte. Als Melanie in die Klasse trat, starrten ihr 25 fremde Gesichter entgegen. „Du bist Melanie?“ fragte sie Herr Gruber, der Klassenlehrer. Sie nickte nur. „Das ist Melanie Krause“, sagte er, nun zur Klasse gewandt, „sie gehört ab heute in unsere Klasse.“
„Erzähl uns doch ein bißchen von dir.“ Fuhr er fort. U n s ? dachte Melanie. Der einzige, der an ihrer Vergangenheit interessiert war, war wohl der Lehrer, denn die Schüler saßen mit langweiligen, uninteressierten Gesichtern in ihren Bänken. Einige von ihnen kauten Kaugummi, andere malten Bilder oder schrieben Briefchen an ihre Tischnachbarn. „Wir sind erst vor zwei Tagen nach Köln gezogen. Davor haben wir in Bremen gewohnt.“ Melanie versuchte zu lächeln, wäre aber am liebsten im Erdboden versunken. Herr Gruber schien das gemerkt zu haben, denn er fragte nicht weiter, sondern sagte, Melanie solle sich auf den Platz neben Paulina setzen.
Während des Unterrichts erreichten Melanie einige kleine Zettelchen von Mitschülern. Meistens sollte sie irgendwelche Fragen beantworten, aber einmal wurde sie auch gewarnt: „Freunde dich bloß nicht mit Paulina an, die ist total doof!“ Sie sah in die Klasse. Die meisten folgten dem Unterricht, aber einige sahen noch immer neugierig zu ihr herüber. Dann sah sie zu Paulina. Die tat so, als wäre Melanie überhaupt nicht da und konzentrierte sich stark auf den Unterricht.

In der Pause drängten sich viele um den Tisch von Melanie und stellten ihr Fragen. Nur Paulina war gleich am Anfang der Pause aus dem Klassenzimmer gegangen. „Wenn sie nichts mit mir zu tun haben will, kann ich auch nichts dafür.“ Dachte Melanie, und sie war froh, daß wenigstens der Rest der Klasse sie nicht mehr ablehnte. Kurz bevor es zur Geographiestunde läutete, kam Paulina wieder in die Klasse.
Die Geographielehrerin kam erst zwei Minuten nach dem Klingeln und ging sofort auf Melanie zu. „Oh, wen haben wir denn da? Du mußt die neue Schülerin sein.“ Dann sah sie zu Paulina. „Und du, Paulina, hast jetzt endlich eine Partnerin, mit der du das Amerikaplakat machst.“ Paulina sah die Lehrerin entgeistert an, und Melanie merkte, daß sie am liebsten laut protestiert hätte. Während des gesamten Unterrichts sah Paulina Melanie noch böser an als zuvor und wechselte kein Wort mit ihr.
Nach Unterrichtsschluß reichte es Melanie. Sie ging auf Paulina zu, die gerade dabei war, ihr Fahrrad abzuketten. „Ich hab‘ eine Frage an dich.“ Begann Melanie, doch Paulina sah sie nicht an. „Wann müssen wir das Plakat fertig haben?“ „In einer Woche.“ Melanie war erstaunt, weil Paulina tatsächlich geantwortet hatte. „Ich war schon zweimal in Amerika. ZU Hause haben wir viele Fotos und Bücher davon.“ Erzählte Melanie. „Du kannst morgen und übermorgen am Nachmittag zu mir kommen, dann schaffen wir es schon.“ „Wirklich?“ Paulina lächelte. „Sicher.“ Antwortete Melanie. „Ich muß los. Also dann, bis morgen!“ sagte Paulina und fuhr mit dem Fahrrad davon. „Bis morgen!“ rief Melanie ihr hinterher und lächelte.


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