Verfasst von: Elly | Oktober 4, 2008

Die Qual mit der Kommunalwahl

Letztes Wochenende waren Kommunalwahlen in Bayern und Brandenburg. Da ich weder in Brandenburg noch in Bayern wahlberechtigt bin, kann ich also keiner Erfahrungsbericht wiedergeben, sondern nur das, was ich aus Erzählungen von Bewohnern der wahlberechtigten Regionen erzählt bekommen habe.


Die Zeit vor den Wahlen schien abzulaufen wie eh und je: an jeder Ecke Stände der Parteien mit den jeweiligen Vertretern (oder Studenten, die dringend Geld brauchten?), die großzügig Werbebroschüren, Fähnchen, Luftballons und Gummibärchen in eigens dafür produzierten Verpackungen den vorbei hetzenden Passanten in die Hände drückten.

In den Lokalzeitungen konnte man vermehrt Berichte über sozial engagierte Parteimitglieder lesen, die Kindergärten, Einrichtungen für behinderte Menschen oder Seniorenwohnheime besuchten – natürlich mit entsprechenden Fotos. Vermutlich war die Fürsorge sogar so groß, weil auch die Menschen am Rande der Gesellschaft wissen sollten, wo sie ihre Kreuze auf dem Wahlzettel machen sollen. Klingt das jetzt zu zynisch? Es kommt noch mehr…

Auch für die übliche Bevölkerung wurde gesorgt: Die grauen, von Graffitis verunstalteten Hauswände und Mauern wurden mit Wahlplakaten geschmückt, ebenso die kahlen Straßenlaternen. Eine Partei X schaffte es sogar, die Erlaubnis dafür zu bekommen, bunte Plakatwände auf leerstehenden Grundstücken und vor leerstehenden Häusern aufstellen zu dürfen – die dann (von wem nur?) in einer Nacht- und Nebelaktion abgerissen wurden. (Also, die Plakate meine ich jetzt, nicht die Häuser!) Der Schaden wurde aber noch in der gleichen Nacht ersetzt, Partei Y stellte neue Plakatwände auf, natürlich von der eigenen Partei höchstpersönlich zur Verfügung gestellt.

Partei Z hatte die meiner Meinung nach bessere Strategie: die entsprechenden Vertreter gingen am Morgen des Wahltages von Haustür zu Haustür und verteilten frische Brötchen an die potentiellen Wähler (mit eingebackenem Partei-Logo). Kleiner Hinweis an die Vertreter der anderen Parteien (für’s nächste Mal!): Dazu passen hausgebackener Kuchen und heißer Kaffee.

Die Wahlen an sich waren dann ja wieder recht unspannend. Drei Stimmen, die man entweder an einen Vertreter oder an drei verschiedene vergeben kann. Erstaunlich ist dabei aber, wie vielen Menschen es offenbar nicht gelingt, bis drei zählen zu können: Die Zahl der ungültigen Stimmzettel fand ich jedenfalls erstaunlich. Wobei die Methode des ungültigen Stimmzettels ja auch gern genutzt wird, um allgemeine Unzufriedenheit mit der politischen und gesellschaftlichen Situation im Allgemeinen zum Ausdruck zu bringen.

Interessant könnte noch sein, dass die gültigen Stimmen sich ja nun sehr ausdrücklich gegen die im Bundestag regierende Partei positioniert haben – auch eine Methode, Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation auszudrücken. Vielleicht sollte es auch dafür eine Ankreuz-Option auf dem Wahlzettel geben, so dass man endlich mal feststellen könnte, wer in unserer Gesellschaft wirklich für und nicht gegen etwas wählen geht, wer unzufrieden und wer ungebildet ist und zur Mathe-Nachhilfe gehen muss.

Die Ergebnisse der PISA-Studie wundern mich aber ganz definitiv nicht mehr, wenn ich mir die Wählerzahlen gewisser rechtsorientierter Parteien ansehe. Vielleicht könnte man Abhilfe schaffen, indem man diesen Wählern schonend beibringt, dass es sich bei den Wahlzetteln nicht um Gewinnspielpostkarten handelt, und dass es am Ende auch keinen Mercedes und zu gewinnen und auch keine Trostpreise gibt. Ich muss aber zugeben, dass ich mich (aus Prinzip!) nicht mit den Motiven dieser Parteien auseinandersetze.

Eine Frage, die ich mir ohnehin immer wieder stelle, ist: Wie viele der Wahlberechtigten sind überhaupt wahlfähig? Wie viele der Menschen, die letzten Sonntag einen Wahlzettel ausgefüllt habe (jetzt mal egal, mit wie vielen Kreuzchen drauf) haben sich wirklich damit beschäftigt, welche Interessen die jeweiligen Parteien überhaupt vertreten? Und was haben die Parteien dafür getan, ihre Interessen wirklich so darzustellen, dass Otto-Normal-Wähler sie auch versteht? Vermutlich nicht viel. Wozu auch, denn bei den Wahlversprechen scheint es sich in der Praxis meist eher um „Wahlversprecher“ zu handeln.

Könnte das mal bitte jemand im Duden korrigieren, danke.

MfG usw.

Verfasst von: Elly | September 24, 2008

Also….

Ich hab eine Weile nicht geschrieben. (So fingen meine Tagebucheinträge übrigens relativ oft an.) Irgendwie ist es so, dass ich entweder zu beschäftigt bin, um zu schreiben – oder aber, wenn ich mal Zeit habe, dann gibt es nichts, über das ich schreiben könnte. Im Grunde bin ich entweder im Stress oder langweile mich tot – und dieser ständige Wechsel an sich kann schon unglaublich anstrengend sein.

In der Ausbildung musste ich nach monatelanger Pause meinen (Wieder-)Einstieg hinbekommen. Und als wenn das nicht schon eine Herausforderung an sich wäre, bekam ich zusätzlich noch die Aufgabe einen Vortag in Englischer Sprache zu halten. Den habe ich nun tatsächlich überlebt, mit dem Kommentar meines Lehrers: „This was an excellent and very informative presentation, and also very fluent.“ Ich selbst fand mein Gestottere alles andere als toll, geschweige denn „flüssig“ – und ich will gar nicht wissen, wie das ausgesehen hat, als ich während des Redens auch noch Vokabeln an die Tafel geschrieben und Folien in den Overhead-Projector gelegt und kommentiert habe.

Das System der doppelten Buchführung ist dagegen nach wie vor ein Rätsel für mich. Obendrein kann ich mir das Wort „doppelt“ in dem Zusammenhang nach wie vor nur damit erklären, dass man den ganzen Kram doppelt und dreifach (und dennoch völlig umsonst) machen muss. Der Sinn dieses andauernden Kampfes mit dem Taschenrechner, Grundbuch- und Hauptbuchkopien ist mir noch immer nicht klar.

Aber: Ich hab ja auch nette Dinge gemacht. Einmal war da die Nachbarschaftsparty, zu der ich gegangen bin, obwohl ich fremden Menschen gegenüber extrem schüchtern bin (auch wenn es mir nie jemand glaubt). Und dann war da noch ein Treffen in einer Cocktail-Bar, zu dem ich gegangen bin – und das nach einem anstrengenden Arbeitstag. Fazit ist,

  • dass es sich manchmal echt lohnt, den inneren Schweinehund zu überwinden,
  • dass man mit fremden oder auch andersartigen Menschen doch recht interessante und amüsante Gespräche führen kann,
  • dass man plötzlich Gemeinsamkeiten mit anderen entdeckt, aus denen sich jede Menge Gesprächsstoff ergibt,
  • dass es durchaus lustig sein kann, einen Ikea-Grill zusammen zu bauen, und
  • dass ich definitiv einen asiatischen Ursprung haben muss, auch wenn ich nicht so aussehe, denn: ich vertrage nicht mehr als einen Cocktail oder zwei Gläser Wein. Die Phase, in der man durch Alkohol gesprächig wird, scheine ich zu überspringen – ich werde sofort müde.

Ich werd’ später mehr schreiben, aber jetzt muss ich definitiv ins Bett – damit mein Schlafdefizit nicht noch größer wird.

MfG usw.

In letzter Zeit musste ich jede Menge lustige Briefe an Behörden (Arbeitsamt, Krankenkasse etc.) schicken, ab und zu auch mal dort auftauchen und mich herumstreiten – ein Abenteuer für sich!


Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass einen Antrag auf ALG2 auszufüllen schon eine Prozedur, die man als ganz normaler Bürger eigentlich nur mit fachlicher Hilfe bewältigen kann. Und ich weiß auch, dass man diese Hilfe – wider Erwarten – nicht dort bekommt, wo man sie eigentlich vermutet, auf den zuständigen Ämtern nämlich. Wer schon einmal einen Antrag auf ALG2, Wohngeld, Bafög oder ähnliches ausgefüllt hat, weiß, dass dort nach Dingen gefragt und Unterlagen eingefordert werden, von denen man nie zuvor auch nur etwas gehört hat, geschweige denn dass man weiß, wo man sie nun herbekommen soll. Umso frustrierender ist es dann, wenn sich mühsam durch den Antrag gekämpft und alle Felder brav ausgefüllt hat, wenn man schon an der Rezeption der Behörde nicht vorbei gelassen wird.


Wer nun nicht der klassische Jobcenter-Kunde ist und einfach nur ALG2 beantragen möchte, hat es eigentlich noch schwerer. Zumindest dann, wenn man mit einer Tätigkeit noch immer zu wenig verdient, um wirklich davon leben zu können. Viele Angestellte des Jobcenters und der dazugehörigen Behörden scheinen regelrecht überfordert zu sein mit der Tatsache, dass man eigene Einkünfte hat.


Ich kann mir jedenfalls gut vorstellen, dass die Einstellungstests bei vielen Behörden unter anderem folgende Aufgabe beinhalten: Sagen Sie „Wir sind nicht zuständig“ in drei verschiedenen Tonlagen. Denn genau das scheint die Standard-Antwort zu sein, wenn man dort mit einem etwas komplizierteren Anliegen auftaucht. Was im Grunde nichts anderes bedeutet als: „Ich habe keine Ahnung, also lassen Sie mich damit in Ruhe.“ Wenn man einen netten Sachbearbeiter erwischt, dann bekommt man zumindest noch eine Adresse, an die man sich jetzt wenden könnte – wo man aber mit hoher Wahrscheinlichkeit eine ähnliche Erfahrung machen wird.


Was ich selbst als hilfreich (aber enorm nervtötend) empfunden habe ist, mir die Informationen und Richtlinien, die für mein Anliegen relevant sind, selbst aus dem Internet zusammen zu suchen. Wenn möglich drucke ich mir die Formblätter aus, mache die entsprechenden Kreuzchen und fülle alles aus oder mache gegebenenfalls einen Vermerk, dass die entsprechenden Unterlagen nachgereicht werden (denn es zählt ja meist das Datum der Antragstellung!). Dann gehe ich zum Amt und versuche, Überzeugungsarbeit zu leisten.


Übrigens: trotz allem Ärger hat sich Freundlichkeit (ggf. in Verbindung mit einem leichten Zynismus) als die wirksamste Methode bewährt.


Was definitiv nicht funktioniert: Laut brüllen, etwas erzwingen, sich am Sicherheitspersonal vorbeidrängeln wollen etc. (Und nein, ich spreche nicht aus eigener Erfahrung!)


Was dann folgt: Warten, warten, warten. Denn es dauert oft lange, bis ein Antrag entweder abgelehnt oder befürwortet wird. Wer Zeit hat, kann sich jeden Tag zum Amt begeben und den Stand der Dinge abfragen. Wer Warteschleifen mag, kann versuchen, immer wieder anzurufen, bis ein Mitarbeiter hoffentlich so genervt ist, dass er den Antrag endlich mal aus dem Briefumschlag holt, durchsieht und dann entscheidet.


Wer keine Lust auf Anrufe und Besuche bei Ämtern hat, kann feststellen, dass es auch anderen Menschen so geht, indem er bei Google 104.6 RTL sucht. Hier hat das Team des Berliner Radiosenders die Warteschleifen-Hotlines mal gehörig auf die Schippe genommen – und sie selbst in die Warteschleife gesetzt. Es ist trotz allem verblüffend, wie geduldig die Mitarbeiter waren!

MfG usw.

Verfasst von: Elly | August 27, 2008

Alle Jahre wieder…

Ich hasse Supermärkte.

Ganz im Ernst: das was ich haben will, ist entweder ausverkauft oder nicht (mehr) im Sortiment. Sollte es doch noch vorhanden sein, dann ganz bestimmt nicht in dem Regal, wo jeder normale Mensch es vermuten würde. (Schließlich hat Zitronensaft unglaublich viel mit Dauerwurstwaren gemeinsam, und Kaffeesahne gehört auch keinesfalls in die Nähe des Kaffeeregals.) Wenn ich in Eile bin, erwische ich grundätzlich die Kasse (falls denn überhaupt mehrere geöffnet sind!), an der

  1. jemand etwas zurück geben möchte („Storno-Kasse-vier-bitte“),
  2. die Kartenzahlung bei jemandem nicht funktioniert („haben Sie eventuell Bargeld dabei?“) oder
  3. der/die KassierIn heute zum ersten Mal an der Kasse sitzt – oder zu sitzen scheint.

Aber egal. Heute, nachdem ich also endlich die Dauerwurstwaren gefunden und sämtliche Regale des Supermarktes nach Kaffeesahne abgesucht hatte (man findet sie übrigens zwischen Nudeln und Cornflakes), entdeckte ich kurz vor der Kasse ein Ungetüm von Regal mit Weihnachtssüßigkeiten. Butterstollen, Lebkuchen, Spekulatius, Dominosteine. Unmengen. Nicht nur, dass ich plötzlich (und wieder mal) glaubte, den Verstand verloren zu haben, ich wäre vor Schreck auch noch fast ins Weinregal gerannt.

Es ist August. Ich weiß, es ist vollkommen normal, dass man um diese Zeit Schokoladenweihnachtsmänner und Christstollen kaufen kann. Schließlich verkaufen sich die Light-Lebensmittel, Diätpülverchen, die Sportklamotten und die Pseudo-Fitnessgeräte nach Neujahr auch viel besser, wenn man vorher ganze vier Monate Zeit hatte, sich mit Süßkram vollzustopfen.

Und wer jetzt meint, ganz diszipliniert zu warten und erst kurz vor Heiligabend mit dem Kauf von Lebkuchen und seinen Artgenossen zu warten, den kann ich nur warnen: im letzten Jahr war ab dem 20. Dezember fast alles ausverkauft. Also besser bevorraten, dann doch schon früher naschen und dann neu kaufen.

Das übrigens auch noch zu höheren Preisen. – Und ja, ich gehöre zu den Menschen, die Preise gut im Kopf behalten, sogar die des Vorjahres. Egal. Schade nur, dass die Konzerne bei Saisonwaren längst nicht so viel Kreativität zeigen, wenn es um Preissteigerungen geht, wie bei den Artikeln des täglichen Bedarfs. Wahscheinlich, weil die meisten Kunden die unverschämt höheren Preise kaum wahr- oder eben einfach so hinnehmen – denn schließlich bleibt noch immer der tröstliche Gedanke, dass ja nur einmal im Jahr Weihnachten ist: von August bis Dezember nämlich.

MfG usw.

Verfasst von: Elly | August 26, 2008

Kleine Kinder, große Sorgen

Kinder berreichern das Leben, heißt es so schön. Oder auch: Ohne Kinder macht das Leben keinen Sinn. Wer sich das wohl ausgedacht hat? Ich hatte bei einem Kurzurlaub die Gelegenheit, den Alltag einer Familie mit Kleinkind zu erleben, und ich muss ehrlich sagen: Gut, dass es nun vorbei ist.

Irgendwie hatte ich immer die Vorstellung, Kinder würden dem Familienleben eine gewisse Harmonie verleihen. Die Vorstellung, eines Tages verheiratet zu sein und Kinder zu haben, hatte immer etwas enorm Romatisches. Etwa so wie meine Vorstellung als Teenager, eines Tages würde ich der Liebe meines Lebens begegnen und wir würden glücklich bis ans Lebensende sein. Nun, was die Liebe meines Lebens und das Glücklichsein bis ans Lebensende betrifft – das war ein glatter Reinfall. Die Erkenntnis, dass in jeder Beziehung auch Probleme auftauchen, die sich manchmal nicht so ohne Weiteres lösen lassen und im Extremfall zum Ende der Beziehung führen, war bitter. Noch bitterer war die Erkenntnis, dass die Probleme in der nächsten Beziehung im Grunde die gleichen sind, nur eben anders. Ob das vielleicht an meinem komplizierten Wesen liegt?

Mit dem Traum von einer eigenen Familie scheint das ähnlich zu sein. Familieleben bedeutet eben nicht (nur), dass ein Ehepaar in romantischer Zweisamkeit durch den sonnigen Park spaziert und dabei die Kinder beim Spielen beobachtet.

Die Realität sieht wohl so aus, dass die jungen Eltern dem Kleinkind ständig hinterher laufen müssen, um zu verhindern, dass es in Steckdosen fasst, sich an scharfen Kanten den Kopf stößt, Bücherregale oder Küchenschränke ausräumt oder anderen Kindern auf dem Spielplatz Eimerchen und Schaufel stibitzt und möglicherweise noch dazu nutzt, um fremde Eltern mit Sand zu attackieren.

Die Realität ist wohl auch, dass kleine Kinder nicht immer so friedlich sind wie sie im ersten Augenblick aussehen.

Das fängt an beim

  • Nörgeln am Frühstückstisch, weil Spielen jetzt so viel interessanter wäre als der langweilige Brei im bunten Plastikschüsselchen,

zieht sich über den Tag hindurch bis hin zum

  • abendlichen Quängeln beim Baden, weil das gewöhnlich bedeutet, dass es nun Zeit zum Schlafen ist.

Auch dazwischen gibt es viele Gründe, weshalb ein Kind seiner Unzufriedenheit Ausdruck verleihen kann:

  • Eine Windel, die gewechselt werden soll,
  • ein Schokoriegel an der Supermarktkasse, der nicht im Einkaufskorb landet,
  • zu zeitiges Nach-Hause-Gehen vom Spielplatz,
  • zu wenig Aufmerksamkeit während Mama oder Papa kochen, putzen oder gar mit anderen Personen reden,
  • Arztbesuche, insbesondere wenn eine Spritze fällig ist,
  • Langeweile
  • und was es eben sonst noch gibt.

Und letztlich bedeutet ein Kind oftmals auch, dass sich die Beziehung zwischen Partnern enorm verändert. Sie widmet sich plötzlich ganz dem Kind, muss vierundzwanzig Stunden verfügbar sein. Er stürzt sich in die Arbeit, ist kaum noch zu Hause – damit mehr Geld für die Familie da ist. Damit bleibt der Haushalt nun auch noch an ihr hängen. Dabei hätte sie doch eher gedacht, dass er sie jetzt besonders unterstützen würde, während sie sich um das Kind kümmert. Stattdessen beschwert er sich, er könne nachts nicht schlafen, weil sie mehrmals aufstehen und nach dem Kind sehen muss. So zieht er auf die Couch im Wohnzimmer, verbringt die wenige Zeit zuhause dann auch noch vor dem Computer. Hin und wieder nimmt er dann doch mal das Kind während sie die Wäsche macht, spielt mit dem Kind Verstecken oder Ich-Sehe-Was-Was-Du-Nicht-Siehst. Dann wird sie irgendwie eifersüchtig, weil er so ausgelassen Zeit mit dem Kind verbringen kann, während sie sich ständig kümmern und die unangenehmen Teile des Elternseins durchleben muss. Und auch kaum noch Zeit hat, mal zum Friseur zu gehen, geschweige denn sich mit Freunden zu treffen.

Ist das nun die Realität oder nur ein Einzelfall? Irgendwo habe ich zwar immer gewusst, dass Kinder ein Vollzeitjob sind, aber dass Vollzeit in diesem Fall nicht nur acht, sondern vierundzwanzig Stunden bedeutet, das war mir, ehrlich gesagt, nicht bewusst. Dass sich das Zusammenleben in der Ehe derart verändern kann, hätte ich auch nie gedacht. Und dazu kommen oft auch noch Geldprobleme – ein Gehalt fällt zumindest teilweise weg, die Ausgaben und Belastungen steigen aber. Kinder benötigen nun einmal Kinderwagen und Laufgitter, Kleidung und Spielsachen, sie wollen in den Freizeitpark oder Zoo gehen, sie haben Geburtstag. Dazu kommen die ganz alltäglichen Dinge wie zusätzliche Kosten für Lebensmittel, Energie und Kindergarten bzw. Schule.

Ich zumindest, habe den Kinderwunsch (erst einmal?) aufgegeben. Nach dem, was ich in dieser kurzen Zeit so mitbekommen konnte, hat mein Single-Dasein plötzlich wieder ungemein an Attraktivität gewonnen. Und ganz nebenbei gesagt, hat der zukünftige Vater meiner Kinder bisher ohnehin keine Anstalten gemacht, in mein Leben zu treten.

MfG usw.

Verfasst von: Elly | August 11, 2008

Wie man einen freien Tag effektiv verschwendet…

Voraussetzung ist zunächst, dass man sich für diesen Tag möglichst viel vornimmt. Ohne Plan geht da gar nichts. Wer weniger als eine Stunde braucht, um diesen Plan zu erstellen, hat sowieso schon verloren. Mindestens eine Woche vorher sollte man sich schon Gedanken gemacht haben, was man an diesem Tag alles erledigen möchte:

  1. die Bücher endlich zur Bibliothek bringen (unbedingt Kleingeld für die Versäumnisgebühren mitnehmen!)
  2. im Fitness-Studio anrufen, um einen Termin zum Probetraining zu vereinbaren
  3. einen Brief schreiben, um das Zeitungsabo zu kündigen
  4. die eingeflatterten Briefe des letzten Monats endlich in die Ordner einsortieren, die im Schrank stehen
  5. den Stapel mit Altpapier zum Container bringen
  6. endlich mal den „Keine Werbung!“-Aufkleber am Briefkasten befestigen (siehe Punkt 4)
  7. Wollmäuse ausquartieren und Staub wischen
  8. Fenster putzen
  9. Wäsche waschen und bügeln
  10. koffeinfreien Kaffee und Nikotinpflaster kaufen

Grundsätzlich sollte der Wecker auf 7 Uhr gestellt werden – keine Minute später, es ist ja schließlich nur pro forma ein Urlaubstag. Man wacht also gegen 9:30 Uhr auf und schaut irritiert auf die Uhr. Der Tag beginnt etwas später als geplant, aber kein Problem. Nach einem Kaffee, einer Zigarette und einer Dusche sieht die Welt anders aus.

Was war heute eigentlich zu tun? Bibliothek, ach ja. Später. Staubwischen? Nein, nicht das grausamste von allem zuerst. Außerdem müsste man dazu erstmal ein bisschen aufräumen. Noch ein Kaffee, noch eine Zigarette. Man macht den Computer an, um die E-Mails abzurufen. Und siehe da, es ist Post da. So schreibt man nun eine E-Mail nach der anderen, surft ein bisschen hier und da – Mittagszeit. Der Kühlschrank gibt nicht so sehr viel her, aber für einen Obstsalat mir Jogurt reicht es.

Nun also die Wäsche… erst mal nach Farben sortieren. Bleibt die Frage, ob man die Einteilung danach vornimmt, welche Farbe die Teile jetzt haben, oder welche Farbe sie eigentlich haben sollten, wenn sie sauber wären. Das Shirt mit dem riesigen Farbklecks des letzten künstlerischen Anfalls fliegt also besser in den Müll, Farbe hin oder her. Wenn dann der Rest endlich sortiert ist (oder zumindest halbwegs) kann es losgehen, fehlt nur noch das… Waschpulver. Ach ja, muss also auch noch mit auf die Einkaufsliste.

Jetzt hat man sich eine kurze
Pause verdient, in der man auch nur feststellt, dass im Fernsehen wie eh und je blöde Talkshows laufen. Dass es Menschen gibt, die lieber von Hartz IV leben als arbeiten zu gehen, ist ja nicht neu. Verkrachte Liebespärchen, die mit Hilfe des norddeutschen Talkmasters wieder zusammenfinden wollen, gibt es auch schon seit Jahren. Leute, die sich nichts aus ihrem Übergewicht machen, sowieso. Dann eine dieser Gerichtsshows, in der die rothaarige Richterin den bösen Laien-Verbrechern den Garaus macht. So viel Müll auf einmal ist anstrengend.

Nun überlegt man, wie der Tag vielleicht noch zu retten wäre. Ein Spaziergang an der Sonne wäre nicht schlecht. Während man nun auf dem Weg zum Park die Altpapier-Container sieht, denkt man an den Stapel alter Zeitungen und Prospekte, der noch immer im Flur herumliegt. Und den Aufkleber, den man am Briefkasten anbringen wollte, damit sich das Altpapier-Chaos nicht noch ausweitet. Und das Zeitungsabo, das nun immer noch nicht gekündigt ist.

Im Park sind viele Kinder, einige rennen wild herum, ein paar andere spielen Fußball. Ein paar Kinder nutzen das bisschen Wind und lassen Drachen in die Luft steigen. Einige andere füttern die Enten an dem kleine nSee. In jedem Fall scheinen sie völlig sorglos zu sein, keinen Gedanken an Altpapier oder Wäsche zu verschwenden. Das Wichtigste scheint in diesem Moment zu sein, dass der eine Junge den Ball am andere vorbei direkt in das imaginäre Tor schießt. Und dass das kleine Mädchen schneller rennt als das andere, das ihm kreischend hinterherjagdt. In dem Moment, wo beide am See angelangt sind und ein paar kleine Entchen mit Entenmama entdecken, scheint der Wettstreit von eben vergessen. Der Drachen ist noch immer in der Luft und macht den Blick in den Himmel noch ein wenig schöner.

Völlig in Gedanken versunken sitzt man sitzt man nun also Stunden später noch immer auf dem Rasen. Die Kinder sind fast alle zum Abendessen nach Hause verschwunden. Und weiß jetzt, dass Wäscheberge und Altpapierstapel nicht alles im Leben sind, schon gar nicht an einem Urlaubstag.

Was lernen wir daraus?

  • Bücher kann man auch über das Internet verlängern.
  • Sport macht in der Natur wesentlich mehr Spaß
  • Nikotinpflaster sind Geldverwendung – ohne Stress raucht man auch weniger
  • Manche Geschäfte haben nach 20:00 Uhr auf – und führen auch koffeinfreien Kaffee
  • Arbeit im Haushalt geht fast wie von selbst, wenn man gut erholt ist
  • Manche Dinge können auch warten

MfG usw.

Verfasst von: Elly | August 8, 2008

Manchmal…

…ist das Leben ja doch nicht so übel – wenn auch erst auf den zweiten Blick.

Ich gehöre zu den Menschen, die ständig etwas verlieren, vergessen oder versehentlich Dinge umstoßen und dann auch noch darüber stolpern. Ich bin die, der die Wasserflasche in der Tasche ausläuft, wenn sich darin geliehene Unterlagen befinden. Die, die beim Bahnfahren von Kontrolleuren herausgefischt wird, weil die Monatskarte nicht mehr gültig ist. Die, die beim ersten Date vom Stuhl fällt und dabei die Tischdecke mit allem drum und dran herunterreißt.

Deshalb hat es mich gestern auch gar nicht gewundert, dass ich, gerade auf dem Weg von der Straßenbahn-Haltestelle nach Hause, meinen Haustürschlüssel wohl in der Straßenbahn hatte liegen lassen. Eine blöde Sache, wenn man mit einem schweren Rucksack voller Klamotten schon zwei Stunden durch die Gegend gefahren ist – und das bei über 30 Grad.

In meiner Panik und Wut auf mich selbst bin ich also zurück zur Straßenbahn-Haltestelle gerannt (soweit das mit viel Gepäck eben möglich ist) und in die nächste Bahn eingestiegen, wo ich erstmal beim Fahrer geklopft habe, der dann das kleine Türchen der Fahrerkabine öffnete um mich mit fragendem, halb genervten Blick anzusehen.

„Entschuldigung,“ (wieso entschuldige ich mich eigentlich für eine Frage?) „ich habe meinen Schlüssel in der Bahn direkt vor Ihrer liegen lassen, macht es Sinn, wenn ich hier noch mitfahre?“ Er überlegte kurz und meinte dann: „Ja, könnte noch klappen.“

Also nahm ich die Bahn bis zur Endhaltestelle, wo ich erstmal irritiert durch die Gegend gelaufen bin. Überall Gleise und Straßenbahnen (gut, nicht sehr ungewöhnlich). Ich entdeckte die Bahn, in der mein Schlüssel liegen müsste – ein Lob an die Werbebranche, die einfach jeden Zug und jede Bahn mit netten Hinweisen auf neue Dienstleistungen verschönert. In der Hoffnung, die Bahn würde mir nicht vor meiner Nase davon fahren, lief ich zielgerichtet darauf zu. Notfalls würde ich mich von außem an die Bahn klemmen, aber ich wollte meinen Schlüssel wieder haben!

Lange Rede, kurzer Sinn – die beiden Fahrer hatte sich schon verständigt, und als ich die Fahrerkabine der Straßenbahn erreichte, stand die Fahrerin bereits mit meinem Schlüssel in der Hand da. Ich bedankte mich und lief nun zurück zur Endhaltestelle. Und nun die große Frage:

Was lernen wir daraus?
  • Man sollte den Haustürschlüssel wirklich erst vor der Haustür aus der Tasche holen (sofern man die nicht auch im Zug vergessen hat).
  • Rennen mit Gepäck nervt unheimlich – und sieht albern aus.
  • Endhaltestellen können ziemlich öde und verwirrend sein.
  • Werbung an Zügen kann vor Obdachlosigkeit schützen.
  • Organisierte Menschen sparen unglaublich Zeit, erleben aber weniger.
  • Nicht alle Mitarbeiter der öffnetlichen Verkehrsmittel sind unfreundlich – auch wenn es manchmal so wirkt.

MfG usw.

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